Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten in der südosttürkischen Stadt Diyarbakır, in der überwiegend Kurden leben, sind zwei Menschen erschossen worden. Die beiden getöteten Demonstranten seien bewaffnet gewesen, teilte die Polizei mit. Die Einsatzkräfte unterbanden am Montag mit Gewalt einen Protestmarsch gegen eine Ausgangssperre.

Die Polizisten gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die prokurdischen Demonstranten vor. Jugendliche errichteten Barrikaden und warfen Steine. Unter den Demonstranten waren am Montag auch Abgeordnete der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP).

Hunderte Menschen versuchten, ins Stadtviertel Sur in Diyarbakır vorzudringen. Für das Viertel Sur, das seit Wochen immer wieder Schauplatz von Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und PKK-Anhängern ist, gilt seit Ende November eine Ausgangssperre. Damals wurde dort der prominente prokurdische Menschenrechtsanwalt Tahir Elçi erschossen.

Schon vor mehr als einer Woche hatten die Behörden in Diyarbakır eine Ausgangssperre über das Stadtviertel Sur verhängt. Die Jugendorganisation der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK (YDG-H) und Sicherheitskräfte hatten sich Gefechte geliefert. Tausende Menschen sind inzwischen vor den Kämpfen geflüchtet. Ein Sprecher des Menschenrechtsvereins (IHD) in Diyarbakır sagte, mehr als 10.000 Anwohner hätten das Viertel verlassen. Den Angaben zufolge gibt es keinen Strom und Lebensmittel werden knapp. Eine Reporterin berichtete, dass in dem Viertel zahlreiche Barrikaden errichtet und Häuserfassaden von Kugeln durchlöchert seien.

Angeblich fünf tote Aufständische in Mardin

Im Juli war ein Waffenstillstand zwischen der PKK und der türkischen Regierung gescheitert. Seitdem eskaliert der Konflikt. Vor allem im Südosten der Türkei kommt es immer wieder zu Gefechten und Anschlägen, auch in anderen Städten gelten Ausgangssperren, betroffen sind ungefähr 1,3 Millionen Menschen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, in der Provinz Mardin seien fünf kurdische Aufständische getötet worden.

"Sie glauben, dass sie uns einschüchtern können, indem sie immer neue Barrikaden und Schützengräben errichten", sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu dem Fernsehsender A Haber. Auch er sei "nicht von Ausgangssperren begeistert". Diese seien aber zum Schutz von Zivilisten erforderlich. Wenn erforderlich, würden "die Städte Haus für Haus von Terroristen gereinigt".