Wie sie da so sitzt. Die Ellenbogen ausfährt, anderen ins Wort fällt, laut ihre Position verteidigt, jedes Gegenargument mit einem Augenrollen und gönnerhaftem Lächeln vom Tisch fegt. Der Auftritt von AfD-Sprecherin Frauke Petry bei hart aber fair könnte gut und gerne als Lehrvideo für eines der viele Seminare eingesetzt werden, die seit einiger Zeit Konjunktur haben und in etwa solche Titel tragen: "Wie Frauen sich im Beruf durchsetzen" oder "Gekonntes Auftreten. Wie Frauen sprechen müssen, damit Männer sie verstehen".

Auch die beiden Le-Pen-Frauen, Marine und ihre Nichte Marion, sind Frontfrauen. Um ihre Vision eines nationalistischen Frankreichs zu verwirklichen, haben sie auch nicht davor zurückgeschreckt, mit engsten Familienmitgliedern zu brechen: Familienoberhaupt Jean-Marie wurde im August dieses Jahres kurzerhand aus der von ihm gegründeten Partei ausgeschlossen, um potenzielle Wähler der bürgerlicheren Schichten nicht durch seine antisemitische Parolen zu verschrecken.

Ist das nicht ein Widerspruch? Selbstbewusste Weiblichkeit, die Rassismus, Antisemitismus, Menschenhass und rechtspopulistische Parolen verbreitet? Und ist das nun der schon öfter beschworene Feminismus von rechts?

Feminismus kann man es wohl kaum nennen, schließlich steht die AfD für eine klar antifeministische Politik, die das Recht auf Abtreibung abschaffen möchte, um Kindermangel in Deutschland entgegenzuwirken. Ebenfalls stellen sich AfD-Politiker in die Reihe derjenigen, die sexuelle Aufklärung als gefährlich für Moral und Anstand ansehen und mobilisieren gegen die "Ehe für alle". Und wenn diese Frauen Arbeit für "Alle Franzosen" fordern, ist damit vor allem Arbeit für französische Männer gemeint.

Marine Le Pen hat zwar verlauten lassen, sie habe nichts Grundsätzliches gegen legale Abtreibung und erntete dafür Kritik aus eigenen Reihen. Nichte Marion holt dafür die strenggläubigen katholischen Anhänger der Partei wieder ins Boot, indem sie Abtreibung verdammt. Das nennt man Arbeitsteilung.

Genauso extrem, aber weniger gewaltorientiert

Frauke Petry und die Le Pens wären ohne Feminismus und Frauenbewegung nicht möglich gewesen, soviel ist klar: Ohne das Recht zu wählen und zu kandidieren, wären sie von vornherein aus politischen Prozessen ausgeschlossen gewesen. Und durch die Besetzung von Parteipositionen mit Frauenquoten und -quoren haben Parteien dafür gesorgt, dass Politikerinnen in Führung heute kein seltener Anblick mehr sind. Warum wundern wir uns also über Petry, nicht aber über Andrea Nahles, Ursula von der Leyen oder Manuela Schwesig?

Frauen wie die Le Pens und Petry sind eine Herausforderung für die gesellschaftlichen Vorstellungen von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus und die von Weiblichkeit. Deswegen ist es dringend an der Zeit, ein paar Missverständnisse zu klären.

Bislang galten Rechtspopulismus und -extremismus als männliche Domäne, geht es doch um eine Ideologie von Stärke, Überlegenheit und Dominanz, die an traditionelle Männerbilder andockt. Hitler regierte ausschließlich mit Männern und verwies Frauen an den Herd, so das gängige Bild. Doch auch im Nationalsozialismus waren Frauen rechts. Sie waren keine Opfer, sondern Täterinnen oder – aufgrund der ihnen zugewiesenen gesellschaftlichen Positionen – Mittäterinnen. So formulierte es die feministische Sozialwissenschaftlerin Christina Thürmer-Rohr schon in den achtziger Jahren. Rechtsextremismusexpertin Renate Blitzan wies im Interview mit der Bundeszentrale für politische Bildung kürzlich darauf hin, "dass die vielen Studien, die es zu Rechtsextremismus und Geschlecht gibt, alle aussagen, dass es nur einen einzigen Punkt, bei dem Frauen regelmäßig deutlich weniger zustimmen: bei der Akzeptanz von Gewalt. Bei der Einstellung in Sachen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Homophobie liegen Frauen und Männer im Großen und Ganzen ziemlich gleichauf." Frauen sind genauso rassistisch wie Männer. Punkt.

Das, was rechtspopulistische und -extreme Politikerinnen besonders gefährlich – und auf den ersten Blick auch so widersprüchlich – macht, sind die sich nur langsam verändernden kulturellen Bilder und Stereotype von Weiblichkeit, die unseren Blick und unsere Bewertung von Frauen in Führungspositionen beeinflussen.

Eine 2013 erschienene Studie der Sozialwissenschaftlerinnen Margreth Lünenburg und Jutta Rösler zeigt, dass Frauen in Führungspositionen medial immer noch über  ihr Privatleben, ihre Häuslichkeit, ihre Mütterlichkeit dargestellt werden, und dass diese weibliche Seite als Widerspruch zum harten, männlich konnotierten Berufsalltag konstruiert wird. Das heißt, Führung durch Frauen wird immer noch nicht als selbstverständlich gesehen, sondern als etwas, das im Widerspruch zu ihrer Weiblichkeit steht. Wir wollen wissen, was Merkel kocht und wie von der Leyen ihre Kinder aufzieht, um uns zu vergewissern, dass unsere eigenen Bilder von Frauen und Männern noch intakt sind.