Unmittelbar nach dem Parlamentsvotum für Luftangriffe auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien hat die britische Luftwaffe erste Angriffe geflogen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Michael Fallon hatten vier Kampfjets von einem Luftwaffenstützpunkt auf Zypern abgehoben und hätten dann zunächst das Omar-Ölfeld im Osten Syriens bombardiert. Damit habe man der Finanzierung der Organisation einen "echten Schlag" versetzt, sagte er der BBC. Einnahmen aus den Verkäufen von Rohöl gelten als eine der wichtigsten Finanzierungsquellen des IS.

Syrische Aktivisten bestätigen, dass die US-geführte Koalition vom IS betriebene Ölanlagen im Osten Syriens getroffen hätten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, Kriegsflugzeuge hätten Gebiete in der Nähe der Ölfelder von Omar, Tanak und Dschafra in der Provinz Deir al-Sur getroffen. Das Feld von Omar ist eines der größten in Syrien.

Am späten Mittwochabend hatte sich das britische Parlament als Konsequenz aus den Pariser Anschlägen für die Luftangriffe ausgesprochen. Die Abgeordneten stimmten mit 397 zu 223 Stimmen für die Ausweitung des Kampfes auf das syrische Territorium. Bislang beteiligte sich Großbritannien nur an Luftschlägen gegen IS-Stellungen im Irak.

Zustimmung aus Moskau

Die Parlamentsentscheidung war in dieser Form erwartet worden. Oppositionschef Jeremy Corbyn hatte zwar gegen die Ausweitung des Militäreinsatzes auf Syrien plädiert, den Labour-Abgeordneten aber zugestanden, ihrem Gewissen zu folgen. Cameron wiederum macht seit Monaten Stimmung für den Kampfeinsatz, doch erst nach den Anschlägen von Paris schwenkte eine klare Mehrheit der Abgeordneten auf seinen Kurs ein. Luftangriffe auf den IS in Syrien fliegen unter anderem die USA, Frankreich und Russland. 

Moskau begrüßte denn auch die Entscheidung in London und warb zugleich um ein abgestimmtes militärisches Vorgehen. "Natürlich glauben wir, dass die Effektivität gesteigert werden kann, wenn solche Maßnahmen in einer gemeinsamen Koalition abgestimmt werden", sagte der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow, mit Blick auf die US-geführte Koalition, die seit rund einem Jahr Luftangriffe auf den IS in Syrien und dem Irak fliegt. Russlands Luftwaffe bekämpft seit Ende September Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al Assad. Der Westen wirft Russland vor, seine Angriffe auf vergleichweise moderate Gegner Assads anstatt auf den IS zu konzentrieren.

In Deutschland stimmt an diesem Freitag der Bundestag über den Syrien-Einsatz von bis zu 1200 Bundeswehr-Soldaten ab. Daran sollen Aufklärungs-Tornados, ein Tankflugzeug sowie eine Fregatte zum Schutz des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle teilnehmen. Außerdem sollen der von den USA geführten Anti-IS-Koalition Satellitenbilder übermittelt werden.