Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras will als Teil des Hilfsprogramms der internationalen Geldgeber auf die Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) verzichten. Er habe "den Eindruck, dass die Finanzierung durch den IWF nicht nötig ist", sagte Tsipras am Montag im Fernsehsender Et1. Sein Land brauche inzwischen weniger Geld aus dem Hilfspaket. Zudem sei die Position des IWF nicht konstruktiv, weil er von Athen zugleich härtere Reformen und Schuldentragfähigkeit verlange.

Im Gegenzug für Sparmaßnahmen und Reformen waren Griechenland im Juli insgesamt 86 Milliarden Euro zugesagt worden. Davon waren 25 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung des Bankensektors bestimmt, von denen aber letztlich nur 5,7 Milliarden Euro nötig wurden. Der Euro-Rettungsfonds ESM will am Dienstag eine Finanzspritze von 2,7 Milliarden Euro für die National Bank of Greece freigeben.

Der IWF hatte im Dezember mitgeteilt, dass er im Januar über seine Beteiligung an den Hilfen entscheiden werde – offenbar ist dies jetzt gar nicht mehr nötig. Bislang schütteten allein die europäischen Partner Mittel aus. Am Dienstag werden Vertreter der internationalen Geldgeber zur Prüfung der griechischen Reformbemühungen in Athen erwartet.

Euro-Partner drängen auf Reformen

Die Eurogruppe warnte das hochverschuldete Griechenland vor weiteren Verzögerungen. Ein neues Reformpaket müsse bis Mitte Dezember auf den Weg gebracht werden, um die Auszahlung von einer Milliarde Euro aus dem Rettungspaket zu ermöglichen, sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem in Brüssel. Die Links-rechts-Regierung reagiert auf den Druck der Geldgeber. Sie will das neue Paket bis zum 18. Dezember durchs Parlament bringen.  

ESM-Chef Klaus Regling sagte, Athen habe bisher 17,7 Milliarden Euro aus dem Hilfsprogramm mit einem Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro erhalten. "Da einige Reformen verspätet umgesetzt wurden, hat es bei den Auszahlungen vom ESM Verzögerungen gegeben", sagte Regling.

Der Zeitplan für die Reformen wurde am Montag bei einem Treffen von Alexis Tsipras und Ministern seines Kabinetts beschlossen, wie griechische Medien berichteten. Die Liste umfasst 13 innenpolitisch zum Teil höchst umstrittene Maßnahmen. Unter anderem soll eine unabhängige Einrichtung zur Privatisierung von Staatseigentum gegründet und das unterfinanzierte Sozialversicherungssystem umfassend reformiert werden.