Die Nato erfüllt die Bitte der Türkei nach einer stärkeren militärischen Unterstützung der Luftabwehr. Bereits in den nächsten Wochen sollten entsprechende Planungen abgeschlossen sein, sagte der Generalsekretär des Verteidigungsbündnisses, Jens Stoltenberg, nach Beratungen mit den Außenministern der Bündnisstaaten in Brüssel. Großbritannien habe angekündigt, Kampfflugzeuge auf den türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik zu verlegen.

Stoltenberg sagte allerdings mehrmals, dass die Planungen bereits vor der jüngsten Eskalation der Spannungen zwischen der Türkei und Russland begonnen hätten. Dazu war es in der vergangenen Woche gekommen, als die türkische Luftwaffe im türkisch-syrischen Grenzgebiet ein russisches Kampfflugzeug abschoss. Die Türkei hatte sich bereits seit Wochen über Luftraumverletzungen russischer Jets, die Luftangriffe in Syrien fliegen, beschwert.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland sind seit dem Flugzeugabschuss sehr angespannt. Russland verlegte ein modernes Flugabwehrsystem des Typs S-400 auf einen Stützpunkt im syrischen Latakia. Damit können Raketen und Flugzeuge in bis zu 400 Kilometern Entfernung abgeschossen werden. Zudem fliegen russische Suchoi-Kampfjets in der Region seit Montag bewaffnet mit Luft-Luft-Raketen. Sie könnten damit gegnerische Flugzeuge abschießen. Nach Angaben der Führung in Moskau haben die Lenkwaffen eine Reichweite von bis zu 60 Kilometern.

"Die Allianz ruft zu Besonnenheit, Diplomatie und Deeskalation auf", sagte Nato-Chef Stoltenberg. Wer sich neben den Briten an den Sicherungsmaßnahmen beteiligt, ist noch nicht endgültig entschieden. Stoltenberg verwies unter anderem darauf, dass Deutschland jüngst für die Nato-Marinekräfte eine Fregatte zur Verfügung gestellt habe, die bereits im östlichen Mittelmeer unterwegs sei. Auch die Dänen versprachen Marineunterstützung.

Bereits jetzt haben die USA Abfangjäger in der Türkei stationiert, um die Luftabwehr des Landes zu stärken. "Ich erwarte, dass weitere Alliierte zusätzliche Zusagen machen und wir innerhalb weniger Wochen Entscheidungen zu den Sicherungsmaßnahmen für die Türkei treffen können", sagte Stoltenberg.

Unklar war zunächst gewesen, mit welchen Mitteln die Nato die Flugabwehr in der Türkei verstärken will. Denkbar wäre der Einsatz von Awacs-Flugzeugen der Nato zur Luftraumüberwachung. Sie können Aufklärung leisten und Luftkämpfe steuern. Möglich wäre auch die Entsendung von Seefernaufklärern, die sehr lange in der Luft bleiben können, zusätzlichen Schiffen oder die erneute Stationierung von Raketen-Abwehrstaffeln. Spanien betreibt in der Türkei bereits seit längerem eine Patriot-Batterie zum Schutz des Landes vor Raketenangriffen aus Syrien. Deutschland, die USA und die Niederlande hatten ihre Patriot-Staffeln dort dagegen vor einiger Zeit abgezogen.

Türkei "starker Partner der Nato"

Bereits beim Nato-Verteidigungsministertreffen im Oktober hatte Nato-Generalsekretär Stoltenberg klargemacht, dass die Nato bei Bedarf sogar Truppen zum Schutz des Bündnisgebietes in die Türkei schicken würde. "Die Türkei ist ein sehr starker Partner, aber die Nato ist natürlich immer bereit zu verstärken und zu unterstützen", sagte er damals. Der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönül bat aber konkret um Unterstützung bei der Luftabwehr.

Hintergrund der türkischen Bemühungen ist das russische Eingreifen in den Syrien-Konflikt. Dieses wird von der Regierung in Ankara sehr kritisch gesehen, da Russland im Gegensatz zur US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auch den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt.

Die Türkei wirft Russland unter anderem vor, auch die in der Grenzregion lebende Turkmenen zu bombardieren. Die Türkei versteht sich als Schutzmacht dieser Minderheit. In der Nato sehen manche Länder den Abschuss des russischen Kampfflugzeugs auch in diesem Zusammenhang und nicht allein in Folge einer Luftraumverletzung. 

Die USA haben derweil die Türkei zu mehr Einsatz im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS aufgefordert. Die Regierung in Ankara müsse die Grenze zu Syrien besser sichern, sagte Verteidigungsminister Ashton Carter vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses. Dies sei seit dem Aufstieg des IS nicht wirksam genug geschehen. Außerdem müsse die Türkei gegen IS-Unterstützer vorgehen, die in die Türkei einsickerten. Carter kritisierte auch die Luftangriffe der Türkei. Die meisten richteten sich nicht gegen den IS, sondern die Kurden-Organisation PKK. Wie der Nato-Verbündete Türkei bombardieren auch die USA in Syrien IS-Ziele.