Bei der Parlamentswahl in Spanien hat die konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy ihre Mehrheit verloren. Nach dem vorläufigen Endergebnis holte die PP 123 der insgesamt 350 Sitze, 63 weniger als vor vier Jahren. Sie erhielt 28,7 Prozent der Stimmen. Die PSOE erhielt demnach 90 Mandate (22,0 Prozent), 20 weniger als 2011. Sie hatte damals ihr schlechtestes Ergebnis in der jüngeren Geschichte erzielt und fiel nun noch dahinter zurück.

Podemos mit dem Politikdozenten Pablo Iglesias an der Spitze kam auf 69 Sitze (20,7 Prozent). Die liberalen Ciudadanos mit ihrem Parteichef Albert Rivera, die viele Spanier der rechten Mitte zuordnen, errangen 40 Mandate (13,9 Prozent). Damit blieben sie deutlich hinter den Erwartungen zurück. Damit ist die Ära des Zweiparteiensystems von Konservativen und Sozialisten beendet.

Wahlbeteiligung deutlich höher

Mehr als drei Jahrzehnte hatte das Zweiparteiensystem von PP und PSOE geherrscht, seit dem Übergang zur Demokratie hatten sich diese beiden großen Parteien an der Regierung abgewechselt und bei Bedarf für bestimmte Abstimmungen Absprachen mit kleineren Parteien im Parlament getroffen.

Zur Regierungsbildung dürften komplizierte Koalitionsverhandlungen notwendig werden. Im Wahlkampf hatte keine der großen Parteien Hinweise darauf gegeben, mit wem sie ein Regierungsbündnis eingehen würde.

Viele Spanier machen die Konservativen und die Sozialisten aufgrund ihrer Regierungsverantwortung für die derzeitige Wirtschaftsmisere und für Korruptionsaffären verantwortlich. Die Arbeitslosigkeit in Spanien beträgt trotz eines leichten Aufschwungs über 20 Prozent, bei den Jugendlichen hat sogar mehr als die Hälfte keinen Job. Viele Menschen leiden unter den Folgen der rigiden Kürzungs- und Sparpolitik unter Rajoy, immer mehr drohen in die Armut abzurutschen.

Die Wahlbeteiligung war mit 73,2 Prozent deutlich höher als 2011. Vor vier Jahren hatte sie 57,7 Prozent betragen.