Er ist um große Worte nicht verlegen. "Nicht nur den 'Islamischen Staat', jede Terrororganisation, die vor uns auftaucht, werden wir uns vorknöpfen", brüstete sich Saudi-Arabiens Vizekronprinz Mohammed bin Salman. Überraschend zeigte sich der Verteidigungsminister am Montag vor der heimischen Presse und kündigte an, 34 Staaten hätten unter Führung Saudi-Arabiens eine islamische Allianz gegen den Terrorismus geschmiedet, "um diese Krankheit auszurotten, die die islamische Welt bereits geschädigt hat, bevor sie begann, die gesamte Welt in Mitleidenschaft zu ziehen".

Bei den Einzelheiten dagegen blieb der forsche Königssohn ausgesprochen vage. Nur so viel war aus dem verbreiteten Gründungsmanifest zu entnehmen: Die Koordinationszentrale wird in der saudischen Hauptstadt eingerichtet, alle Staaten sollen freiwillig entscheiden, was sie an Militärkapazitäten beisteuern, und die neue Koalition wird nicht in einem Land gegen dessen Willen intervenieren.

Mohammed bin Salman weiß, dass er dringend etwas tun muss, um sein internationales Ansehen aufzupolieren und die eigene Bevölkerung zu beruhigen. Der von ihm und seinem Vater, König Salman, im Jemen geführte Krieg entwickelt sich immer mehr zu einem humanitären, außenpolitischen und militärischen Desaster. Mehr als 6.000 Menschen sind bisher gestorben, die fragile Infrastruktur des arabischen Armenhauses an der Südspitze der Arabischen Halbinsel ist weitgehend zerstört. Dafür hat sich in dem angerichteten Chaos erstmals der "Islamische Staat" im Jemen fest etabliert.

In der vergangenen Woche ermordeten die Dschihadisten mitten in der Stadt den Gouverneur von Aden mit einer Autobombe. Auch Terrorkonkurrent Al-Kaida ist stärker als je zuvor. In der Regionalhauptstadt Mukalla und der Südprovinz Abyan riefen seine Kämpfer ein eigenes Kalifat aus. Teile der Hafenstadt Aden haben sie fest unter Kontrolle, während die ratlosen Kriegsherren vom Golf jetzt sogar lateinamerikanische Söldner aus Kolumbien und Chile als Bodentruppen herbeischaffen. Selbst Washington, das bisher für Nachschub an Raketen und Bomben sorgte, hat inzwischen die Nase voll von dem unkalkulierbaren saudischen Krieg und setzte für diesen Dienstag einen einwöchigen Waffenstillstand sowie Friedensgespräche in der Schweiz durch.

Zugleich frustriert die Pentagon-Planer, dass sich Saudi-Arabien und die anderen Golfstaaten faktisch aus dem internationalen Luftbündnis gegen den "Islamischen Staat" in Syrien und im Irak zurückgezogen haben. Seit Monaten operieren ihre Kampfjets nur noch über dem Jemen, während die USA mit gut 90 Prozent der Einsätze die IS-Dschihadisten praktisch im Alleingang angreifen – in geringem Maße unterstützt von Frankreich, Deutschland, Australien und bisweilen auch Russland.

Zeitungsanzeige war eine peinliche Blamage

Und so wächst die Kritik an Saudi-Arabien und seiner Anti-Terror-Strategie. Anfang Dezember bescheinigte der Bundesnachrichtendienst (BND) dem superreichen arabischen Verbündeten eine "impulsive Interventionspolitik", die die Stabilität der Golfregion gefährde, ein Urteil, das vor allem auf den 30-jährigen Verteidigungsminister gemünzt ist. König Salman und sein Sohn Mohammed wollten sich als "Anführer der arabischen Welt profilieren", hieß es weiter in dem Memorandum. Sie versuchten, die außenpolitische Agenda Saudi-Arabiens "mit einer starken militärischen Komponente sowie neuen regionalen Allianzen zu erweitern" – eine Einschätzung, von der sich das Außenministerium in Berlin sofort und in ungewöhnlich scharfer Form distanzierte. Vizekanzler Sigmar Gabriel dagegen setzte ein paar Tage später noch eins drauf und warf Saudi-Arabien vor, islamischen Extremismus zu exportieren. Man sei zur Lösung der regionalen Konflikte zwar auf Saudi-Arabien angewiesen. "Wir müssen den Saudis aber zugleich klarmachen, dass die Zeit des Wegschauens vorbei ist."

Diese Vorwürfe, die auch von anderen westlichen Regierungen geteilt werden, will die saudische Führungsspitze nicht länger auf sich sitzen lassen. Und so griffen ihre Medienstrategen in der vergangenen Woche zunächst zum Mittel einer 66.000 Euro teuren Zeitungsanzeige. Auf der eng bedruckten FAZ-Seite versuchten sie, der deutschen Öffentlichkeit die "anti-terroristischen Zielstellungen" und "taillierten Strategien gegen Radikalismus" sowie die militärischen Operationen über Syrien und Jemen "zur Besiegung des Terrorismus" nahe zu bringen – wegen der holprigen und streckenweise unverständlichen Übersetzung ins Deutsche eine peinliche PR-Blamage.

In Riad legte Vizekronprinz Mohammed bin Salman nun mit seiner neuen islamischen Anti-Terror-Koalition nach, auf deren Teilnehmerliste die Mehrzahl aller muslimischen Staaten steht, darunter auch Nigeria, Pakistan und Malaysia, nicht jedoch Erzfeind Iran, Irak, Syrien und Afghanistan. Man habe "die Pflicht, die islamische Gemeinschaft vor dem Übel aller terroristischen Gruppen und Organisationen zu schützen ohne Rücksicht auf deren Religion und Ziele", heißt es in der luftigen Erklärung, die gleichzeitig einräumt, noch nicht alle genannten Staaten hätten ihren Beitritt rechtlich verbindlich erklärt.

So erinnert das Ganze sehr an das andere arabische Allianzprojekt dieses Jahres, die im März auf der Investorenkonferenz in Scharm al-Scheich mit großen Worten ausgerufene panarabische Armee gegen den Terror. Damals war der offizielle Verkünder Ägyptens Präsident und Ex-Feldmarschall Abdel Fattah al-Sissi, dessen Regime ohne die zweistelligen Milliardenhilfen aus Riad längst zusammengebrochen wäre. Doch bereits die ersten Gespräche der arabischen Generalstäbe endeten in allgemeinem Gezänk. Im September wurde das ganze Projekt dann für unbestimmte Zeit vertagt – auf Wunsch Saudi-Arabiens.