Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat im Norden Syriens die Kontrolle über einen strategisch wichtigen Staudamm am Fluss Euphrat verloren. Kurdisch-arabische Truppen konnten den Damm zurückerobern, wie ein Sprecher der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) sagte. Die Kämpfe an dem Staudamm dauerten allerdings noch an. Bombardierungen durch die von den USA angeführte Koalition hätten die Geländegewinne mit ermöglicht.

Die Eroberung helfe, die IS-Hochburgen in der Region Aleppo von den Gebieten östlich des Euphrats zu isolieren, wo sich mit Rakka die faktische Hauptstadt des IS befindet. Die Transportstrecke über den Damm sei eine wichtige Nachschubroute des "Islamischen Staats". Die Extremisten wären nun gezwungen, auf eine längere Verbindung auszuweichen. Der Tischrin-Damm ist zudem eine der Hauptenergiequellen Nordsyriens.

Ein Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bestätigte, dass die kurdisch-arabische Koalition die Gebiete östlich des Staudamms zurückerobert habe. Ähnliche Angaben machte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der Beobachtungsstelle zufolge kontrollierte der IS Tischrin seit dem vergangenen Jahr.

Mitte Oktober hatten sich die YPG und mehrere christliche und arabische Rebellengruppen zu einer neuen arabisch-kurdischen Koalition zusammengeschlossen. Der Einsatz bei Tischrin ist die zweite große Operation der Koalition, die bereits rund 200 Dörfer in der nordöstlichen Provinz Hassaka vom IS zurückeroberte.

Unterdessen haben die Vereinigten Staaten auch an Weihnachten Ziele des IS bombardiert. 17 Luftangriffe seien am ersten Weihnachtstag auf IS-Ziele im Irak und in Syrien geflogen worden, teilte das Pentagon mit. Ins Visier seien dabei Kämpfer, Einrichtungen und Fahrzeuge der Extremisten genommen worden. Fünf der Angriffe wurden demnach in Syrien und zwölf im Irak verübt. Auch ferngesteuerte Flugkörper seien daran beteiligt gewesen.

Der IS wiederum sieht sich in Syrien durch das Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten sowie durch Russland nicht geschwächt. "Unserem Staat geht es gut", hieß es in einer Tonaufnahme, die IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi zugeschrieben wird und über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurde. "Je intensiver der Krieg wird, desto reiner wird er und desto robuster wird er."