Irans Präsident Hassan Ruhani auf einer Pressekonferenz in Teheran © Atta Kenare/AFP/Getty Images

Irans Präsident Hassan Ruhani hat die islamische Welt zu mehr Geschlossenheit im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus aufgerufen. Die muslimischen Länder hätten die Aufgabe, sich gegen die Terroristen zu erheben, sagte Ruhani bei der Eröffnung einer internationalen Konferenz zur "derzeitigen Krise der islamischen Welt" in Teheran.

Das Staatsoberhaupt kritisierte dabei "die Ideologie und den Gewaltdiskurs" des IS und anderer bewaffneter Islamistengruppen. Am meisten "Gewalt, Terror und Massaker" gebe es "leider in der islamischen Welt in Afrika, Nordafrika, im Nahen Osten und in Westasien".

Angesichts der großen Herausforderung des Kampfes gegen den Terror solle man religiöse Diskussionen um Schiiten und Sunniten ruhen lassen und stattdessen versuchen, das durch den IS erzeugte negative Bild vom Islam in der Welt zu korrigieren. "Wir sind alle Muslime und sollten nicht zulassen, dass die Terroristen den Islam weltweit als Religion der Gewalt darstellen", sagte Ruhani.

Krieg gegen Assad "kontraproduktiv"

Ruhani rief alle islamischen Staaten zur Einheit auf, "auch diejenigen, die bis jetzt ihre Nachbarn bombardieren". Die Schwächung der syrischen Regierung sei kontraproduktiv im Kampf gegen den IS. "Wir können nicht die Machtzentrale in Syrien schwächen und gleichzeitig behaupten, den Terrorismus dort bekämpfen zu wollen", sagte Ruhani.

Er richtete sich namentlich an Saudi-Arabien, Katar und die Türkei, die anders als der Iran den Rücktritt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad fordern. Ruhani warnte die drei sunnitischen Staaten, sie sollten nicht glauben, dass eine Schwächung Syriens ihre Lage stärken würde.

Nahrungsmittel statt Bomben

Wie Russland unterstützt auch der schiitische Iran Assad. Die Regierung in Teheran begrüßt die für Anfang Januar geplanten Verhandlungen zwischen der syrischen Regierung und der Opposition. Die politische Zukunft Syriens und das Schicksal Assads sollten über freie Wahlen in Syrien und nicht vom Ausland entschieden werden.

Ruhani stellte die Frage, "wie viele Bomben und Raketen im zurückliegenden Jahr in den USA gekauft wurden". Wäre das dafür ausgegebene Geld "an arme Muslime verteilt" worden, müssten Menschen "nicht hungrig schlafen gehen". Dass Gruppen wie der IS "Soldaten rekrutieren" könnten, liege an der "materiellen und kulturellen Armut", die aus der islamischen Gesellschaft entfernt werden müsse. "Wir sollten wissen, dass Terror und Terrorismus nicht durch Bomben zerstört werden", fügte der iranische Staatschef hinzu. Die Konflikte in der Region kämen Israel und den Gegnern der Muslime zugute.