Der syrische Filmemacher und Oppositionelle Nadschi al-Dscherf ist in der Türkei ermordet worden. Der 37-Jährige sei am Sonntag in der Grenzstadt Gaziantep auf offener Straße mit einem Kopfschuss niedergestreckt worden und im Krankenhaus gestorben, berichten türkische Medien. Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen.

Al-Dscherf drehte mehrere Dokumentarfilme über den Bürgerkrieg in Syrien. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Gräueltaten des "Islamischen Staats" (IS), die er zuletzt in einem Film über die syrische Stadt Aleppo dokumentierte. Außerdem war er Chefredakteur des syrischen Monatsmagazins Hentah, das 2012 gegründet wurde.

Der Filmemacher arbeitete eng mit der Gruppe "Raqqa is being slaughtered silently" (RIBSS) zusammen, einer Gruppe von Aktivisten und Bürgerjournalisten, die heimlich Menschenrechtsverletzungen in der syrischen IS-Hochburg Rakka dokumentieren und dafür vom IS verfolgt werden.

Bereits im Oktober waren zwei syrische Oppositionelle in der Türkei ermordet worden, die sich öffentlich gegen den IS gestellt hatten. Ibrahim Abdul Kader und Fares Hamadi waren enthauptet in einem Haus in der Grenzstadt Şanlıurfa aufgefunden worden. Der IS bekannte sich damals zu der Tat.

Al-Dscherf war zweifacher Vater. Freunden zufolge wollte er noch in dieser Woche mit seiner Familie nach Paris ausreisen, um in Sicherheit zu sein. Die Familie hatte bereits ein Visum für Frankreich erhalten, heißt es.