Bei einer neuen Offensive türkischer Streitkräfte im Südosten des Landes sind mindestens 205 Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet worden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Doğan unter Berufung auf türkische Sicherheitskräfte. Am schwersten betroffen war demnach der Bezirk Cizre in der Provinz Şırnak. Allein dort, nah an der Grenze zu Syrien, sollen 139 Kämpfer ums Leben gekommen sein. 

Zuvor hatte sich auch die türkische Armee direkt zu den Kämpfen geäußert, sprach allerdings von einem Schusswechsel mit kurdischen Rebellen, bei denen sechs Aufständische getötet worden seien. Zudem, so die Mitteilung des Militärs, sei ein türkischer Soldat im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, zwei weitere seien verletzt worden. Sicherheitskreisen zufolge waren zuvor bereits in Diyarbakır, der größten Stadt der Unruheregion, drei kurdische Kämpfer von der Polizei getötet worden.

Bei ihrem Kampf gegen die PKK setzt die türkische Armee Panzer und Hubschrauber ein. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf vier Provinzen, in vielen Regionen gelten Ausgangssperren. Menschenrechtsgruppen verurteilen den Einsatz scharf. Die Europäische Union hat beide Seiten zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. 

Die PKK gilt nicht nur in der Türkei, sondern auch der Europäischen Union und den USA als terroristische Organisation. Vor zwei Jahren einigte sie sich mit der türkischen Regierung auf einen Waffenstillstand. Dies änderte sich mit der Parlamentswahl im Juni, als die AK-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdoğan die absolute Mehrheit verloren und erstmals die kurdische Partei HDP ins Parlament eingezogen war. Danach gingen die türkischen Streitkräfte wieder gewaltsam gegen die PKK vor. Seitdem halten sich auch die Kurden nicht mehr an die Vereinbarungen des Waffenstillstands.