Trotz des Versprechens von US-Präsident Barack Obama, befreundete Regierungen nicht länger auszuspähen, überwachen amerikanische Geheimdienste laut einem Medienbericht weiter verbündete Staaten. Präsident Obama habe dies persönlich angeordnet, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Regierungsvertreter. Ganz oben auf der Liste der Ausgespähten stehe Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Dem Bericht zufolge begründete Obama die Überwachung bestimmter Staats- und Regierungschefs wie Netanjahu oder dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan mit "zwingenden Gründen der nationalen Sicherheit".

Im Fall von Netanjahu haben dem Wall Street Journal zufolge die Atomverhandlungen mit dem Iran eine wichtige Rolle zur weiteren kontinuierlichen Überwachung gespielt. Demnach vermutete Obamas Regierung, dass Israel seinerseits die Atomverhandlungen der USA mit dem Iran überwachte, um eine Einigung zu verhindern.

Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP dementierte das Weiße Haus den Bericht nicht. Spionage im Ausland erfolge ausschließlich aufgrund spezifischer Interessen hinsichtlich der nationalen Sicherheit, sagte ein Sprecher des nationalen Sicherheitsrates. Dies gelte für normale Bürger ebenso wie für Staats- und Regierungschefs. "Präsident Obama hat wiederholt gesagt, dass das Engagement der USA für die Sicherheit Israels unantastbar ist", sagte der Sprecher. Die israelische Botschaft in Washington wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Nach den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden über umfassende Spionagetätigkeiten des US-Geheimdienstes NSA bei befreundeten Staaten hatte Obama angekündigt, das Ausspähen von Verbündeten einzuschränken. Laut Wall Street Journal entschied die US-Regierung allerdings, bestehende Abhörvorrichtungen nicht zu entfernen, weil sie bei einem erneuten Bedarf nur schwer wieder montiert werden könnten. Obama habe stattdessen angeordnet, dass die Kommunikation von engen Verbündeten der USA nicht systematisch durch die NSA überwacht werde.