Drei Jahre nach dem Putsch und dem Beginn eines opferreichen Bürgerkriegs zwischen christlichen und muslimischen Ethnien wählt die Zentralafrikanische Republik am Sonntag eine neue Regierung. Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wecken die Hoffnung auf einen Neuanfang. Nicht nur für die UN, die mit 11.000 Soldaten den brüchigen Frieden wahren; vor allem für die fünf Millionen Einwohner des Landes. Etwa 800.000 Zentralafrikaner flohen vor der anhaltenden Gewalt.

Zuletzt gab es wieder Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität. Nicht nur habe der Besuch von Papst Franziskus Ende November in der Hauptstadt Bangui einen "Moment geschaffen, der die Abwärtsspirale der vergangenen Monate durchbrechen" könne, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein. Auch die jüngsten Zugeständnisse lokaler Kriegsherren ließen erstmals wieder hoffen.

"Unsere Bewegung bietet eine positive und ehrliche Unterstützung an, so dass in Ruhe, ohne Gewalt und mit hoher Beteiligung gewählt werden kann", teilte ein Kommandeur der Séléka-Rebellen, Noureddine Adam, mit. Der teilweise als "Staatsfeind Nummer eins" gehandelte Adam ist Kopf eine Splittergruppe der Séléka-Rebellen, jener islamistischen Miliz, die 2013 Diktator François Bozizé stürzte. Bei anschließenden Kämpfen zwischen der Seleka und der christlich-radikalen Anti-Balaka-Miliz starben Tausende Menschen.

Adams Sinneswandel folgt auf Vermittlungen durch Tschads Präsidenten Idriss Déby. Noch vor zwei Wochen schlug Adam andere Töne an: Im abgelegenen Norden des Landes rief er einen eigenen Staat aus, die "Republik Logone". Wahlen wollte er zu diesem Zeitpunkt um jeden Preis verhindern. Nach wie vor befinden sich weite Teile Zentralafrikas in der Gewalt von Rebellen und nicht unter der Kontrolle der Übergangsregierung in Bangui.

"Es gibt Akteure, die weiter bestrebt sind, den politischen Prozess zu stören", so der Untergeneralsekretär für Friedensmissionen, Hervé Ladsous. Auch nach Einschätzung des Menschenrechtskommissars al-Hussein könnte die angespannte Lage während der Wahl leicht zu einer weiteren Welle gezielter Angriffe führen.

Das zeigte sich zuletzt bei einem Referendum vor zwei Wochen, bei dem die Zentralafrikaner über eine neue Verfassung abstimmten. Das Referendum galt als Testlauf für die Wahlen. Mindestens fünf Menschen kamen am Abstimmungstag ums Leben, als die Streitparteien sich mit Raketen und Maschinenpistolen befeuerten. Die Wahlgegner stammten sowohl aus dem Lager der christlichen als auch der muslimischen Extremisten. Zwar befürworteten mehr als 90 Prozent die neue Verfassung, so sie die Macht des Präsidenten einschränkt und bewaffnete Milizen verbietet. Doch die Wahlbeteiligung spiegelte die allgegenwärtige Angst: Nur 30 Prozent der zwei Millionen Wahlberechtigten wagten sich an die Urnen.

"Wir dürfen nicht wenigen erlauben, die Träume und Hoffnungen vieler auf eine Rückkehr zum Rechtsstaat zu zerstören", fordert Ladsous. Die Anwesenheit der UN-Friedensmission MINUSCA, die zuletzt auch für die Sicherheit beim Papstbesuch sorgte, ist entscheidend für den Wahlprozess. Sie leiste technische, logistische und sicherheitsrelevante Unterstützung am Wahltag, sagte MINUSCA-Sprecher Vladimir Monteiro. Bereits beim Verfassungsreferendum sei deutlich geworden, dass die Truppen die Auszählung der Ergebnisse erst möglich gemacht habe.

Zugleich warnten die UN davor, die Wahlen als Lösung aller Probleme zu betrachten. "Um die Wurzeln des Konflikts anzupacken, müssen wir der neuen Regierung helfen, ihre Arbeit im Geist von Einigkeit und Versöhnung auszuführen", sagte Untergeneralsekretär Ladsous.

Als aussichtsreichster Kandidat gilt der frühere Regierungschef Martin Ziguélé. Weitere Herausforderer unter anderen sind der Unternehmer Fidele Gouandjika sowie zwei Söhne ehemaliger Machthaber. Dem Ex-Diktator François Bozizé untersagte das Verfassungsgericht die Kandidatur – wie auch den Anführern der Séléka und der Anti-Balaka. Beobachter warnten, dass dieser Schritt weitere Gewaltakte provozieren könnte.