Während eines Terrorangriffs auf ein Strandhotel im ägyptischen Badeort Hurghada sind am Freitagabend drei europäische Touristen verletzt worden, keiner von ihnen lebensgefährlich. Nach Angaben des Innenministeriums in Kairo stammen die Opfer aus Österreich und Schweden.

Die beiden Attentäter, die über das Restaurant in das Hotel Bella Vista eindrangen und offenbar Geiseln nehmen wollten, waren mit Messern bewaffnet. Einer von ihnen wurde von der Polizei erschossen, der zweite schwer verletzt. Erste Meldungen, nach denen einer der Angreifer eine Pistole und der andere einen Selbstmordgürtel trugen, wurden später dementiert. Augenzeugen berichteten, die Täter seien von der See her gekommen. Bei sich hatten sie eine schwarze Fahne des "Islamischen Staates".

Damit erlebte erstmals auch das dem Sinai gegenüberliegende Feriengebiet des Roten Meers einen Terrorakt. Dieser Teil der ägyptischen Badeküste mit seinen beliebten Stränden und malerischen Tauchriffen, der letzte noch einigermaßen funktionierende Sektor der ägyptischen Ferienindustrie, war bisher von Gewalttaten verschont geblieben. In den vergangenen Wochen waren die Sicherheitsvorkehrungen für die Baderessorts entlang der Küste verstärkt worden. Soldaten und Hubschrauber patrouillieren an den Stränden, Zivilpolizisten achten darauf, dass sich niemand von See her nähert.

Attacke auf jüdische Touristen

Erst Tage zuvor hatte in Kairo ein Mob von einem Dutzend Männern vor dem Three Pyramids Hotel an der Zufahrtsstraße zu den Pyramiden den Bus einer Reisegruppe aus Israel mit Brandbomben und Schrotgewehren angegriffen. Von den 46 arabischen Israelis wurde niemand verletzt, lediglich die Frontscheibe ihres Busses ging zu Bruch.

In einer Internetbotschaft verbreitete die ägyptische Filiale des "Islamischen Staates" am Freitag, ihre Kämpfer hatten den Angriff auf den "Touristenbus mit Juden" verübt als Antwort auf den Aufruf von IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi, "Juden zu töten, wo immer ihr sie findet".

Für Ägyptens notleidende Tourismusindustrie sind beide Vorfälle weitere schwere Rückschläge. Nach dem Absturz eines russischen Ferienfliegers mit 224 Passagieren über dem Nordsinai, in den wahrscheinlich in Scharm al-Scheich eine Bombe eingeschmuggelt worden war, kappte Russland bis auf Weiteres alle Flugverbindungen. Russen machten zuletzt rund ein Drittel aller ägyptischen Feriengäste aus. Auch europäische Chartergesellschaften fliegen Scharm al-Scheich nicht mehr an, ein Stopp, der mehrmals verlängert wurde und nun bis Ende Februar gilt.

Hotels auf dem Sinai geschlossen

Die ägyptische IS-Filiale Provinz Sinai hatte in zwei Bekennerschreiben behauptet, die russische Maschine zum Absturz gebracht zu haben. Ägypten dagegen beharrt bisher darauf, die Untersuchung des Unglücks habe eine Bombenexplosion an Bord nicht bestätigt.

Viele Hotels an den Badestränden im Südsinai haben geschlossen, die gesamte Branche liegt am Boden. Das Gleiche gilt für die berühmten Kulturziele Luxor und Assuan am Nil in Oberägypten. Hier hatten im vergangenen Juni drei Attentäter versucht, ein Massaker unter Besuchern des Karnak-Tempels anzurichten. Zwei der drei Extremisten wurden von der Polizei erschossen, neun ägyptische Hintermänner festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im September starben in der Westwüste zwischen Kairo und der Oase Bahariyya acht mexikanische Touristen, weil sie irrtümlich von einem Militärhubschrauber angegriffen und beschossen wurden.