Wie ein Erdbeben hätte es sich angefühlt. Die dünnen Kioskwände zitterten, die Fenster klirrten in ihrer Fassung. "Aber dann," sagt Verkäufer Halil Ibrahim Peltek, "dann sah ich den Rauch, und die Luft roch wie verbranntes Haar."

Pelteks Kiosk liegt in Istanbuls historischem Stadtteil Sultanahmet, genau zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia. Es ist das touristische Herz der Stadt: einige Gehminuten nach links befindet sich der Topkapi-Palast; nach rechts, der Große Bazaar. Wer nach Istanbul reist, kommt früher oder später hier vorbei.

Von seinem Kiosk aus blickt Peltek auch auf den Theodosius-Obelisk, einen beliebten Treffpunkt für Touristengruppen. Ein Selbstmordattentäter riss am Dienstagmorgen dort zehn Menschen in den Tod, darunter acht Deutsche. Auch ein Peruaner starb. Fünfzehn weitere Menschen wurden verletzt. Einige der Opfer waren mit dem Berliner Reiseveranstalter Lebenslust Touristik unterwegs. Nach türkischen Angaben wurde ein 27-jähriger Syrer als Attentäter identifiziert. Er soll der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angehört haben. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete dagegen, der Angreifer stamme aus Saudi-Arabien.

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Woher er auch stammte, der Attentäter wählte ein Ziel, das die Türkei empfindlich trifft: Touristen. Der Kiosk-Verkäufer Peltek sagt: "Jetzt werden die Touristen wegbleiben. Es ist ja nicht das erste Mal." Er zeigt in die Richtung einer Polizeistation, wo sich vor einem Jahr eine Frau in die Luft sprengte. Auch sie soll Verbindungen zum "Islamischen Staat" gehabt haben.

Das Attentat ist schon der dritte schwere Bombenanschlag in der Türkei innerhalb eines halben Jahres. Im Juli kamen in der Grenzstadt Suruc mehr als 30 Menschen ums Leben. Im Oktober rissen zwei Selbstmordattentäter 102 Friedensdemonstranten in Ankara in den Tod. Beide Anschläge wurden von einer mutmaßlichen IS-Zelle im Süden der Türkei geplant.

Istanbul - Terror gegen Touristen Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in der Nähe einer deutschen Reisegruppe in die Luft und tötete acht Deutsche. Sie waren mit einem Berliner Reiseveranstalter unterwegs.

Am frühen Nachmittag wagten sich in Istanbul schon wieder einige schaulustige Touristen in die Nähe der Blauen Moschee. Aber die Straßen und Restaurants im Stadtteil Sultanahmets blieben weitgehend leer. "Wir hatten heute vielleicht zehn Gäste," sagt ein Kellner an einem Kebab-Lokal gegenüber der Hagia Sophia.