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Am 17. Dezember 2010 überschüttete sich der Gemüsehändler Mohammed Bouazizi in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid aus Frust über seine aussichtslosen Lebensumstände mit Benzin und verbrannte sich selbst. Sein Selbstmord löste zunächst in Tunesien landesweite Demonstrationen aus. Unter dem Druck der Proteste und angesichts der Weigerung der Streitkräfte, gegen die Protestierenden vorzugehen, flüchtete der tunesische Machthaber Ben Ali am 14. Januar 2011 ins Exil nach Saudi-Arabien.

Dieser Sturz eines seit 23 Jahren autokratisch regierenden Staatsoberhauptes durch eine zivilgesellschaftliche Protestbewegung inspirierte die Bevölkerungen in vielen arabischen Staaten zu ähnlichen Protesten, die in Reformen oder politischen Machtwechseln mündeten. Damit veränderte das Jahr 2011 die politische Situation in den Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens gravierend. Im sogenannten Arabischen Frühling begehrten bald Millionen Menschen in insgesamt 17 Ländern gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit auf: in Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, im Irak, im Jemen, Jordanien, Kuwait, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, den Palästinensischen Gebieten, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien und Tunesien.

Getragen wurden die Proteste vor allem von der jungen urbanen Intelligenz, die sich aus Studenten, Künstlern, Intellektuellen und Menschenrechtsaktivisten zusammensetzte. Die bisher politisch kaum in Erscheinung getretene Jugend spielte plötzlich eine entscheidende Rolle in der Neugestaltung ihrer Zukunft. Die Revolutionen haben nicht nur die Innenpolitik in vielen dieser Länder erschüttert, sondern auch eine Neuausrichtung der regionalen Ordnung im Nahen und Mittleren Osten herbeigeführt. Der Sturz der langjährigen Despoten in Tunesien und Ägypten, die Kriege im Jemen, in Libyen und Syrien, aber auch das Überleben der Golfmonarchien haben Entwicklungen hervorgebracht, die bis heute das politische Zusammenspiel auch über die Region hinaus bestimmen.