US-Außenminister John Kerry bei der Syrien-Konferenz in Wien im November 2015 © Hans Punz, APA

US-Außenminister John Kerry hat sich für eine Auflösung der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien eingesetzt. Kerry telefonierte mit dem iranischen Außenminister Dschawad Sarif und seinem saudischen Kollegen Adel al-Dschubeir. Er forderte beide Seiten auf, die Situation zu beruhigen. "Wir rufen zur Ruhe und Deeskalation auf", sagte ein Vertreter der US-Regierung.

Die Vereinigten Staaten gelten als Verbündeter Saudi-Arabiens, zum Iran gibt es keine diplomatischen Beziehungen. Allerdings konnten sich beide Regierungen mit dem Abkommen über das iranische Atomprogramm zuletzt annähern. Eine Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und Saudi-Arabien könnte das Abkommen allerdings gefährden.

Saudi-Arabien kappt nach den Worten von Außenminister Adel al-Dschubeir die Handelsbeziehungen mit dem Iran. Außerdem werde der Flugverkehr zwischen beiden Staaten eingestellt. Saudische Bürger dürften auch nicht mehr in den Iran reisen. Iranische Pilger seien allerdings nach wie vor willkommen, die heiligen Stätten in Mekka und Medina zu besuchen.

Saudis brechen wirtschaftliche Beziehung zum Iran ab

Der Iran müsse sich wie ein normales Land verhalten und internationale Normen respektieren, bevor die Beziehungen zu dem Land wieder normalisiert werden könnten, sagte Al-Dschubeir. Saudi-Arabien hatte nach der Verwüstung seiner Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran die Beziehungen zu dem rivalisierenden Golfstaat abgebrochen. Die Proteste im Iran waren durch die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr Baker al-Nimr im sunnitisch geführten Saudi-Arabien ausgelöst worden.

Bei den Vereinten Nationen verteidigte Saudi-Arabien die Massenhinrichtung von 47 Menschen gegen scharfe internationale Kritik. "Alle verurteilten Personen hatten einen fairen Prozess", erklärte die Vertretung des Königreiches bei den UN in New York. Die gefällten Urteile gründeten sich allein auf die Gesetze und "das kriminelle und illegale Handeln" der Betroffenen. Die saudi-arabische Vertretung äußerte in diesem Zusammenhang ihr "tiefes Bedauern" über eine Erklärung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Dieser hatte sich zuvor "tief bestürzt" über die Hinrichtungen gezeigt.

Die Arabische Liga (AL) kommt am Sonntag in Kairo wegen der Krise zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Das Regime in Riad habe das Treffen beantragt, um über die Angriffe auf die saudi-arabische Botschaft und das Konsulat im Iran zu sprechen, teilte AL-Vizegeneralsekretär Ahmed Ben Helli mit. Auch solle "die iranische Einmischung in arabische Angelegenheiten verurteilt werden".

Proteste nach Hinrichtung von Nimr Baker Al-Nimr

Nach Saudi-Arabien haben auch dessen enger Verbündeter Bahrain und der Sudan die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Die bahrainische Regierung habe den iranischen Botschafter aufgefordert, das Land innerhalb von 48 Stunden zu verlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur BNA.

Der sunnitische Sudan begründete den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum schiitisch geführten Iran mit den Angriffen auf die saudische Botschaft in Teheran sowie auf das Konsulat in der Pilgerstadt Maschad. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zuvor ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran auf das Notwendige herabgestuft, aber nicht ganz gekappt.

Saudi-Arabien hatte seine diplomatischen Beziehungen zum Iran am Sonntag eingestellt.

Gemeinsam mit 46 anderen Menschen war Al-Nimr am Samstag in Saudi-Arabien hingerichtet worden. Das im Oktober 2014 erlassene Todesurteil war mit Aufwiegelung, Ungehorsam und Waffenbesitz begründet worden. Al-Nimr war ein Gegner des sunnitischen Königshauses in Saudi-Arabien.

Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran drohen auch eine Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien zu erschweren. Während Teheran hinter Machthaber Baschar al-Assad steht, unterstützt Riad sunnitische Rebellengruppen. Der UN-Sondergesandte für den Syrien-Konflikt, Staffan de Mistura, wollte nach Angaben der Vereinten Nationen noch am Montag nach Riad und anschließend nach Teheran reisen. Die Krise zwischen beiden Ländern sei "eine sehr beunruhigende Entwicklung", sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric.