Mitglieder der Bundeswehr bei einer Zeremonie vor dem Einsatz im türkischen Incirlik gegen den "Islamischen Staat" (Bild vom 10. Dezember 2015) © Sean Gallup/Getty Images

Auf die Bundeswehr könnte nach den jüngst beschlossenen Missionen in Syrien und Mali ein weiterer Auslandseinsatz zukommen. Deutsche Soldaten könnten bereits in den kommenden Monaten beginnen, Streitkräfte des nordafrikanischen Krisenstaats Libyen auszubilden, berichtete der Spiegel unter Berufung auf interne Pläne der Bundeswehr. Dafür könnten 150 bis 200 deutsche Soldaten in Libyens Nachbarland Tunesien geschickt werden, wo die Ausbildungsmission wegen der unsicheren Lage in Libyen angesiedelt werden solle.

Das Bundesverteidigungsministerium wollte den Bericht nicht dementieren. Momentan sei aber die Zeit für diplomatische Verhandlungen, nicht für Spekulationen über einen Militäreinsatz, sagte ein Sprecher. Die Ressortchefin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich kürzlich in einem Interview mit dem Magazin des Bundeswehrverbands ähnlich geäußert. "Es gibt eine ganz klare Regelung, dass in Libyen zunächst einmal der politische Prozess greifen muss", sagte die Ministerin darin.

Zunächst brauche es "eine Einheitsregierung, die in der Lage ist, eine Einladung an die Staatengemeinschaft auszusprechen", sagte von der Leyen. "Die Frage, ob und wie sich Deutschland in diesem Fall an einer Mission beteiligen könnte, würde sich erst dann stellen."

Bis zu 3.000 IS-Kämpfer in Libyen

Nach Informationen des Spiegel soll sich die Ausbildungsmission, die gemeinsam mit den italienischen Streitkräften unternommen werden soll, an dem Ausbildungseinsatz der Bundeswehr für kurdische Kämpfer im Nordirak orientieren. Der Einsatz soll demnach Libyen stabilisieren und verhindern, dass sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) weiter in dem nordafrikanischen Land ausbreitet. Derzeit sollen sich zwischen 2.000 und 3.000 IS-Kämpfer in Libyen aufhalten.

Vergangene Woche hatte auch der UN-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, für einen deutschen Ausbildungseinsatz in Libyen geworben. Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 herrschen in dem Land Chaos und Gewalt. Zwei rivalisierende Regierungen und Parlamenten ringen um die Macht. Islamisten wie die IS-Miliz nutzen dieses Machtvakuum, um sich auszubreiten.