Die Münchner Sicherheitskonferenz beginnt in diesem Jahr mit einem ungewöhnlichen Auftritt: Gleich nach der Eröffnungsrede von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen werden am 12. Februar auf der Bühne des Hotels Bayerischer Hof die Chefs der wichtigsten und geheimnisumwittertsten westlichen Nachrichtendienste Platz nehmen. Früher kannte man bisweilen nicht einmal ihren Namen oder ihr Gesicht; jetzt diskutieren sie in aller Öffentlichkeit über die Bedrohung durch den Terrorismus.

Das größte Interesse dürfte CIA-Direktor John Brennan auf sich ziehen. Neben ihm wird der Chef des britischen Nachrichtendienstes GCHQ, Robert Hannigan, Platz nehmen. Vom GCHQ sagen Fachleute, er agiere besonders skrupellos; die Öffentlichkeit erfährt von seiner Tätigkeit so gut wie nie etwas.

Auf dem Podium werden auch der Chef des niederländischen Nachrichtendienstes, Rob Bertholee, und der Deutsche Gerhard Conrad sitzen. Conrad koordiniert als neuer Leiter des EU Intelligence and Situation Centre (Intcen)die europäische Geheimdienstarbeit. Er ist beim BND einst als Mr. Hisbollah bekannt geworden: Conrad gilt als legendärer Vermittler im Nahen Osten, vor allem zwischen Israelis und Palästinensern.

Grund für die Bereitschaft der Topspione, sich der öffentlichen Diskussion zu stellen, dürfte deren Interesse sein, nach den Enthüllungen des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden für ihre Arbeit zu werben. Die Dienste wollen sich offenbar vom schlechten Ruf der Datenschnüffelei befreien. Ihre Chefs dürften in München auch gegen die Neigung vieler IT-Konzerne ankämpfen, zunehmend die Daten ihrer Kunden zu verschlüsseln. Denn damit erschweren sie das Geschäft der Geheimdienste erheblich.

"Nach meiner Kenntnis ist ein solches Panel eine Premiere", sagt Wolfgang Ischinger, der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. "Angesichts des Konflikts zwischen Terrorbekämpfung und Schutz der Privatsphäre, angesichts auch der zurückliegenden Kontroverse über die NSA ist es eminent wichtig, dass die Geheimdienste aus dem Schatten heraustreten und sich der öffentlichen Diskussion stellen. Ich begrüße das sehr."

Gerade in Deutschland hatten die Snowden-Enthüllungen heftige Kritik an der Arbeit der Nachrichtendienste ausgelöst; die Sorge vor einem Missbrauch von Daten ist hierzulande besonders groß. Auch deswegen dürften die obersten Geheimdienstler bereit sein, sich jetzt der Debatte stellen.

Aus Sicht vieler Mitarbeiter in den Diensten spitzt sich die Debatte auf die Frage zu: Was ist euch wichtiger, euer Leben oder eure Daten? Als wäre die Frage, auch nach den Anschlägen in Paris und Istanbul, so einfach zu beantworten! Schutz der Sicherheit und Schutz der Privatsphäre müssen immer wieder aufs Neue ausbalanciert werden. Die Debatte darüber aber ist allemal nützlich und notwendig. Der Paukenschlag von München dürfte sie noch spannender machen.