Die dänische Königin Margarete musste während ihrer live übertragenen Neujahrsansprache feststellen, dass ihre Karteikarten falsch sortiert waren. Die Königin blieb cool, sortierte, redete mit fester, klarer Stimme weiter, sortierte erneut, fuhr fort und endete schließlich wie es sich gehört mit den Worten "Gott bewahre Dänemark".

Millionen Dänen an den Bildschirmen erlebten an diesem Abend nicht nur eine inhaltlich solide Neujahrsansprache; sie konnten stolz verfolgen, wie ihre Königin eine gar nicht so einfache Situation charmant und souverän löste.

Die dänische Regierung hingegen blamiert sich in der Flüchtlingskrise mit einer Reihe tölpelhafter Aktionen, aus denen Wut, Angst und Verzweiflung sprechen.

Plötzlich marschierten Hunderte Flüchtlinge auf der Autobahn

Bis zum 9. September 2015 kannten die Dänen die Flüchtlingskrise nur aus dem Fernsehen. Doch an dem Tag marschierten Hunderte Flüchtlinge auf der Autobahn E45 in Süd-Jütland in Richtung Schweden. Die Polizei musste die Autobahn sperren, Journalisten kamen herbei und fortan war die Krise eine, die auch vor der eigenen Haustür stattfand.

Darauf war die Regierung nicht vorbereitet gewesen – und reagierte alles andere als souverän: "Es ist verboten, Flüchtlinge im Auto mitzunehmen", war mit das Erste, was von den zuständigen Ministern zu hören war. Als sei es genau das, was jetzt am dringendsten sichergestellt werden müsse.

Viele Dänen ließen sich jedoch davon nicht erschrecken. Die Autorin Lisbeth Zorn etwa setzte sich ungeachtet der staatlichen Anordnung sofort ins Auto, um zu helfen. Sie twitterte ein Foto von zwei syrischen Kindern auf ihrem Rücksitz und schrieb: "Ich will nicht provozieren, aber wenn man kleine erschöpfte Menschen wie diese hier trifft, die aus Syrien geflohen sind, handelt man."