Dänische Polizisten prüfen Autos am Grenzübergang Krusa. © Palle Peter Skov/Scanpix Denmark/Reuters

Dänemark führt ab sofort vorübergehende, stichprobenartige Passkontrollen an der Grenze zu Deutschland ein. Dazu sehe sich das Land gezwungen, nachdem die schwedische Regierung am Montag Kontrollen vor der Einreise nach Schweden aus Dänemark gestartet hatte, teilte der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen mit. Damit solle die Einreise von Flüchtlingen ohne Papiere verhindert werden.

"Die Grenzkontrolle wird aus Stichproben des laufenden Verkehrs über die Grenze bestehen", sagte Løkke Rasmussen. Aber nicht jeder, der aus Deutschland nach Dänemark reise, werde kontrolliert. "Die Polizei wird also nicht alle bitten, ihren Pass zu zeigen."

Die Regelung gelte ab 12 Uhr zunächst für zehn Tage, könne aber verlängert werden. Die schwedischen Passkontrollen könnten dazu führen, dass eine große Zahl von illegalen Migranten in und um Kopenhagen blieben, sagte der Regierungschef zur Begründung.

Flüchtlinge - Dänemark führt Passkontrollen an der deutschen Grenze ein Als Reaktion auf die schwedische Maßnahme, die Passkontrollen von Personen, die aus Dänemark einreisen, umfasst, reagierte die dänische Regierung ebenfalls mit Kontrollen. Sie befürchtet, illegale Migranten könnten sonst im Land bleiben.

Verkehrsunternehmen überprüfen seit dem Morgen jeden Passagier in Zügen, Bussen und auf Fähren Richtung Schweden. Die Maßnahme hatte das Land ergriffen, um die hohe Zahl der Flüchtlinge einzudämmen. Schweden hat 2015 ungefähr 160.000 Asylbewerber aufgenommen. Dies ist nach Deutschland die zweithöchste Zahl in Europa. Gemessen an der Bevölkerungszahl hat Schweden mehr Flüchtlinge pro Kopf aufgenommen als jedes andere EU-Land. Die meisten Antragsteller kamen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Dänemark war für viele von ihnen Durchgangsstation auf dem Weg nach Schweden.

Bahnreisende werden am Kopenhagener Flughafenbahnhof kontrolliert, der letzten Station vor dem Öresund, der zwischen den beiden Ländern liegt. Von den Kontrollen sind vor allem Pendler betroffen. Von Kopenhagen aus pendeln täglich rund 8.600 Menschen über die Öresundbrücke ins südschwedische Malmö. Die dänische Bahn rechnet aufgrund der Kontrollen mit langen Wartezeiten und hohen Kosten.

Bundesregierung verlangt EU-weite Lösung

Die Bundesregierung verlangt wegen der Kontrollen ein EU-weit abgestimmtes Vorgehen in der Flüchtlingskrise. Die Entscheidung der dänischen Regierung werfe ein Schlaglicht darauf, "dass wir vor allem eines brauchen – nämlich eine gesamteuropäische Lösung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die EU müsse ihre Außengrenzen wirkungsvoller kontrollieren, dies sei aus Sicht der Bundesregierung die vordringliche Aufgabe.

Seibert wollte den Schritt der Regierung in Kopenhagen nicht bewerten. Jeder EU-Staat könne über derartige Maßnahmen "in eigener Verantwortung" entscheiden, sagte er. Der dänische Ministerpräsident habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Entscheidung informiert.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig äußerte sich bestürzt über die Grenzkontrollen. "Dies kann das gute Zusammenleben in der deutsch-dänischen Grenzregion beeinträchtigen und insbesondere die Pendler belasten", teilte der SPD-Politiker mit. Dass die dänische Regierung die Kontrollen zunächst nur vorübergehend und stichprobenartig eingeführt hat, bezeichnete Albig als "Lichtblick". Außerdem begrüßte er es, dass die dänische Regierung die grenzüberschreitend agierenden Verkehrsunternehmen zunächst nicht in die Pflicht nehmen wolle, Reisende zu kontrollieren.