An einem milden Abend im Jahr 2001 feierte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen mit Flensburgern und dänischen Freunden am Grenzübergang Krusau die Abschaffung der Passkontrollen zwischen Deutschland und Dänemark. Man trank Sekt und blies in Tröten, glaubte an ein freiheitliches Europa und die Grenzen überwindende Zauberkraft des Schengenabkommens.

Gute 14 Jahre später, am 3. Januar 2016, macht Dänemark fünf Grenzübergänge zu Deutschland dicht und Flensburg ist wieder, was es über so viele Jahrzehnte war und geglaubt hatte, nie mehr zu sein: die letzte Ausfahrt vor Skandinavien. "Es ist, als seien wir zurück in den Achtzigern", sagt der Flensburger Grünen-Chef und Ratsherr Pelle Hansen resigniert. "Von einem urbanen Zentrum im deutsch-dänischen Raum sind wir zurückgefallen in den Status einer Grenzstadt. Das ist dann wohl der Anfang vom Ende des europäischen Freiraums."

Den dänischen Grenzkontrollen war die Schließung der schwedischen Grenze für Flüchtlinge vorausgegangen. Schweden, das im vergangenen Jahr gemessen an seiner Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge aufnahm, verkündete, keine weiteren Kapazitäten mehr zu haben und kontrolliert nun seinerseits an der dänisch-schwedischen Grenze. Die Idee eines skandinavischen Großraums ist damit brüchiger geworden.

Zehn eher psychologische Tage?

Dänemark sieht sich zwischen allen Stühlen. Aus Deutschland kommen viele Flüchtlinge ins Land, nach Schweden können sie nicht wieder raus. Geschürt durch die Propaganda der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti macht sich im Land der vielen tausend gehissten Dannebrog (Nationalflaggen) Angst vor einer unüberschaubaren Zahl von gestrandeten Flüchtlingen breit. Schon in den Wochen zuvor hatten die Dänen versucht, den Flüchtlingszuzug aus Kiel und Flensburg zu begrenzen, in dem sie in Bussen und Zügen kontrollierten und Flüchtlinge ohne Papiere zum Teil zurückschickten nach Deutschland.

Die jetzigen Kontrollen sind zunächst auf zehn Tage beschränkt. So jedenfalls die Auskunft der dänischen Regierung. Börnsen, mit 73 Jahren mittlerweile Politiker im Fast-Ruhestand, der die Grenzfreiheit zwischen den beiden Ländern in den Jahren seiner politischen Tätigkeit zu einem Grundthema machte und in Dänemark viele Freunde und politische Weggefährten hat, bezweifelt das. "Es ist typisch dänisch, zu sagen, wir machen das ja nicht so doll, wir machen nur ein bisschen. In zehn Tagen sind weder der Spuk des Rechtspopulismus noch die Flüchtlingskrise vorbei. Ich sehe die zehn Tage eher psychologisch. Die Dänen wollen, dass wir uns gewöhnen."

Schon einmal, 2011, hat Börnsen erlebt, wie die deutsch-dänische Grenzfreiheit in Gefahr geriet. Damals hatten die Dänen kurzzeitig Kontrollen eingeführt, um angebliche illegale Einwanderer und Kriminelle abzufangen. Und waren bei der Umsetzung dänischer Gesetze nicht zimperlich. Ein Taxifahrer, der unwissentlich drei Flüchtlinge von Flensburg aus über die Grenze brachte, wurde wegen vorsätzlicher Beihilfe zur illegalen Einwanderung zu 50 Tagen Haft verurteilt.