Zwei Wochen nach der Eskalation des iranisch-saudischen Konflikts hat Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei die Erstürmung der saudi-arabischen Botschaft in Teheran verurteilt. Dies sei "wirklich schlecht", schrieb er auf seiner Internetseite und weder im Interesse des Landes noch des Islam gewesen. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Die jahrelange Rivalität zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien war zu Jahresanfang in Gewalt umgeschlagen: Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien stürmten Demonstranten die Botschaft des Landes in Teheran.

Kurz nach der Exekution hatte Chamenei dem saudi-arabischen Königshaus noch mit der "Rache Gottes" gedroht. Nach der Erstürmung der Botschaft hatte das wohlhabende Saudi-Arabien nicht nur die diplomatischen Beziehungen zu dem von Sanktionen wirtschaftlich geschwächten Iran abgebrochen, sondern schließlich auch die Handelsgeschäfte eingestellt. Tags darauf sandte der iranische Präsident Hassan Ruhani vorsichtige Entspannungssignale an die Führung in Riad. Saudi-Arabien blieb aber hart.

Chamenei ist offiziell der oberste Religionsführer des Landes, hat aber auch politisch das letzte Wort. Seine Aussage kann als weiterer Versuch Teherans zur Entspannung der Beziehungen zu Saudi-Arabien ausgelegt werden.

Der Iran und Saudi-Arabien spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte zu einer leichten Annäherung der Länder geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Nahen Osten.

In der Nacht zum Mittwoch reiste Vizeaußenminister Abbas Araghchi zu einem Treffen der Außenminister der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in die saudische Hafenstadt Dschidda. Ob es dort auch zu direkten bilateralen Gesprächen zwischen beiden Ländern kommen würde, war zunächst unklar.

Al-Nimr war Anfang des Jahres in Saudi-Arabien zusammen mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet worden. Der 56-Jährige war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Er war im Oktober 2014 wegen Aufwiegelung, Ungehorsam und Waffenbesitz zum Tode verurteilt worden.