Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ging es um das Schicksal einer jungen Frau aus Guinea. Sie wurde in ihrer Heimat zwangsverheiratet. © Vincent Kessler/Reuters

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) erklärte in Straßburg, er habe keine grundsätzlichen Einwände gegen eine Ausweisung der Frau, die aus ihrer Heimat vor Genitalverstümmelung und Zwangsehe floh. Jetzt kann sie frühestens in drei Monaten nach Guinea zurückgeschickt werden, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Die Frau kann gegen das Urteil innerhalb dieser Zeit Berufung beantragen.

 

Die Vorgeschichte: Der Stiefvater der Frau, die 1987 geboren wurde, hatte sie zu einer Beschneidung gezwungen – die grausame Prozedur wurde aber wegen ihres Widerstands abgebrochen. Drei Tage nach ihrer Zwangsheirat mit ihrem Cousin gelang ihr die Flucht nach Brüssel. Ihre Asylanträge in Belgien wurden abgelehnt, weil sie das Argument der Beschneidung nicht bereits im ersten, sondern erst im dritten Asylantrag erwähnt hatte.

 

Guinea ist eines der Länder mit der höchsten Rate an Genitalverstümmelungen bei Frauen. Laut der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes sind 96 Prozent der 15- bis 49-jährigen Mädchen und Frauen in dem westafrikanischen Land verstümmelt – meistens werden Kinder im Alter unter vier Jahren beschnitten. Die Beschneidung sei unabhängig von Religion, Bildung und Wohnort in der Bevölkerung akzeptiert. "Eine Frau mit unversehrten Genitalien gilt in Guinea nicht als ebenbürtig, achtenswert und rein."

In Deutschland ist Genitalverstümmelung ein Straftatbestand und geschlechtsspezifische Verfolgung ein Asylgrund.