Matteo Renzi und Angela Merkel zeigen sich in Berlin betont harmonisch. © Fabrizio Bensch/Reuters

Deutschland und Italien wollen nach den Dissonanzen der vergangenen Monate enger bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zusammenarbeiten. Das Ergebnis des heutigen Treffens von Matteo Renzi und Angela Merkel (CDU) überrascht: Noch kurz vor Weihnachten hatte Renzi in der Financial Times geschrieben: "Europa muss 28 Ländern dienen, nicht nur einem." Das eine Land, dem Italien nicht weiter dienen wolle, sei Deutschland. Beharrlich weigert sich Renzi bislang, seinen Teil für jene Drei-Milliarden-Euro-Zahlung an die Türkei zu leisten, mithilfe derer die EU, vor allem Deutschland, den Flüchtlingsstrom eindämmen will. 

Doch nun stellte sich Italiens Ministerpräsident bei seinem Besuch in Berlin hinter die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin und sagte die Zahlung der Türkei-Hilfen zu. Er hoffe, dass die EU-Kommission die von Rom erbetenen Antworten noch vor dem Gebertreffen in London am 4. Februar liefern werde, sodass Italien seinen zugesagten Beitrag dann auch leisten könne, sagte Renzi, der Merkel bei dem gemeinsamen öffentlichen Auftritt immer wieder duzte. Er betonte, sein Land wolle künftig wieder mehr Verantwortung in der EU übernehmen – besonders in der Flüchtlingspolitik.

"Sie kommen nicht, weil jemand ruft und sagt, sie sollen kommen", sagte er mit Blick auf den Vorwurf, Merkel habe die Flüchtlinge durch ihre Politik eingeladen. Italien werde als Frontstaat seit Jahren mit dem Thema konfrontiert. Die Kanzlerin habe dafür gesorgt, dass Italiens Ruf nach Jahren endlich gehört worden sei, dass es sich bei der Flüchtlingskrise um ein gesamteuropäisches Problem handele. Der italienische Sozialdemokrat sicherte Deutschland volle Unterstützung zu. Alle Flüchtlinge würden mittlerweile registriert, es würden Fingerabdrücke abgenommen und Fotos gemacht.

Angesichts sich häufender Forderungen nach verstärkten Grenzkontrollen innerhalb der EU warnte Renzi vor einem Werteverfall in Europa: "Wenn Europa Schengen aufgibt, dann bedeutet das, dass es sich selbst aufgibt." Italien tue alles, um die Sicherheit im Zusammenhang mit den Flüchtlingen zu gewährleisten, sagte er.  

Die beiden Regierungschefs vereinbarten weitere Kooperationen im Kampf gegen Schlepperbanden. Geplant seien unter anderem eine gemeinsame Trainingsmission zur Stärkung libyscher Sicherheitskräfte in Tunesien, sagte Merkel. Beide Länder hätten ein "maximales Interesse", dass die staatlichen Strukturen und Sicherheitskräfte in Libyen wieder gestärkt würden, um Schleuser und den illegalen Flüchtlingsstrom zu bekämpfen. "Wir müssen Illegalität bekämpfen und in Legalität überführen", sagte Merkel.