Die europäische Anti-Schleuser-Mission Sophia vor der Küste Libyens hat nach Einschätzung des französischen Verteidigungsministers Jean-Yves Le Drian nur eine begrenzte Wirkung. "Wir müssen daran arbeiten, den Einsatz Navfor Med Sophia schnell weiterzuentwickeln, der derzeit seine Grenzen offenbart, weil er ausschließlich in internationalen Gewässern agiert", erklärte Le Drian in einem Grußwort an die französische Armee.

"Wir müssen schnell handeln, um sobald wie möglich in libyschen Gewässern einzuschreiten", forderte der Minister. Es wird befürchtet, dass Schleuser im Frühjahr wieder vermehrt Flüchtlinge auf die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa schicken.

Die EU-Mission hatte im Juni 2015 begonnen und war zunächst auf die Überwachung der Gewässer vor Syrien beschränkt, seit Oktober dürfen die beteiligten Streitkräfte aber auch Boote anhalten, durchsuchen und beschlagnahmen. Mutmaßliche Schleuser werden dann an die italienischen Behörden überstellt. An dem Einsatz beteiligt sind 22 EU-Länder, darunter Deutschland.

Wegen der instabilen Lage in Libyen hat die EU-Mission aber bisher nicht die Erlaubnis, auch in libyschen Gewässern einzuschreiten. In Libyen herrscht seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Das Land wird von Dutzenden bewaffneten Milizen beherrscht, die neben den beiden rivalisierenden Parlamenten um die Macht ringen.

Am Dienstag wurde nach Vermittlung durch die Vereinten Nationen eine Regierung der nationalen Einheit gebildet, die allerdings von den beiden rivalisierenden Parlamenten noch nicht anerkannt wurde.