Während einer Kundgebung nach dem Anschlag in Jakarta halten Demonstranten Schilder mit dem Satz "Wir haben keine Angst" in die Höhe. © Darren Whiteside/Reuters

Mit Sprengstoff und Waffen griffen fünf Terroristen ein Café und einen Polizeiposten an. Zwei Täter sprengten sich in die Luft, die anderen starben bei Schusswechseln mit der Polizei. Auch drei Passanten wurden getötet – der Anschlag vom 14. Januar in der indonesischen Millionenmetropole Jakarta hat schlagartig klar gemacht, wie gefährlich die Terrormiliz "Islamischer Staat" auch in Südostasien ist.  

Zwar wusste man bereits vorher, dass es mehrere Hundert indonesische Kämpfer in Syrien und im Irak sowie in Indonesien Tausende IS-Sympathisanten gibt, aber erst mit diesem Attentat rückte der terroristische Islamismus in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Die letzten Aufsehen erregenden islamistischen Anschläge in Indonesien liegen einige Jahre zurück: Im April 2011 wurden bei einem Selbstmordattentat in einer überwiegend von Polizisten genutzten Moschee zahlreiche Menschen verletzt. Im Juli 2009 starben neun Menschen bei zwei Explosionen in US-amerikanischen Hotels in Jakarta. Eine Reihe von koordinierten Bombenanschlägen kostete im Oktober 2005 in Bali 20 Menschen das Leben. Im August 2003 war wiederum ein Luxushotel in Jakarta das Anschlagsziel mit damals zwölf Todesopfern.

Die bis heute fürchterlichsten Terroranschläge in der Geschichte Indonesiens waren aber jene vom Oktober 2002 auf zwei Diskotheken in Bali. 202 Menschen, zumeist Ausländer, starben damals. Die indonesische Regierung begann daraufhin, entschlossen – und grundsätzlich erfolgreich – gegen gewaltbereite Islamisten vorzugehen.

Seit dem Sturz des zunehmend despotischen Präsidenten Suharto im Mai 1998 hat der islamistische Terrorismus enormen Auftrieb erhalten – die neuen Freiräume kamen auch Radikalen zugute. Durch den Zusammenbruch des abgewirtschafteten autoritären Systems der "Neuen Ordnung" im Jahr 1998 und durch die katastrophale Finanzkrise ("Asienkrise") stand Indonesien am Rande der Auflösung. Zahlreiche Organisationen entstanden, die sich danach häufig gespalten, aufgelöst oder umbenannt und ihre Ziele und Strategien den neuen nationalen und globalen Bedingungen immer wieder angepasst haben.

Der Fundamentalismus hat seinen Nährboden in einem bornierten Islam gefunden, der seit spätestens den 1970er Jahren in Südostasien auf dem Vormarsch ist. Dieser Prozess hat sich seit 1998 sogar noch beschleunigt und wird zum Teil auch von den Machthabern unterstützt: Dafür sprechen höchst umstrittene Gesetze gegen Blasphemie und gegen sehr vage definierte Formen von Pornografie.

Islamisten schüchtern liberale Muslime ein

Auch zahllose Lokalverordnungen – etwa gegen Alkoholkonsum und bestimmte Kleidungsformen– sind von der Scharia inspiriert. In der Provinz Aceh wurden sogar rigide Strafen bis hin zu Steinigungen rechtlich ermöglicht, wenn auch noch nicht ausgeführt. Gegenwärtig schüchtern Dutzende mehr oder weniger legal operierende islamistische Gruppierungen religiöse Minderheiten (Schiiten, Christen, Mitglieder der Ahmadiyya-Sekte etc.) und liberale Muslime ein und treiben Politiker an, Gesetze und Verordnungen immer weiter zu verschärfen.

Der zunehmende Dogmatismus ist auch auf Einflüsse aus dem Nahen Osten, etwa aus Saudi-Arabien zurückzuführen. Mit Petrodollars sind über Jahrzehnte radikale Organisationen, Prediger und wahhabitische Bildungseinrichtungen gesponsert worden. Die wohl bedeutendste islamistische Partei des Landes, die Wohlfahrts- und Gerechtigkeitspartei (PKS), ist aber eher von Ideologien der ägyptischen Muslimbrüder geprägt. Auf radikale indonesische Muslime üben arabische Islamgelehrte eine besondere Faszination aus.