Bei einem Terroranschlag im Zentrum der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind sieben Menschen getötet worden. Polizeisprecher Mohammad Iqbal sagte: "Zwei Täter haben sich in die Luft gesprengt", drei weitere hätte die Polizei getötet, "als sie Bomben werfen wollten". Zudem seien ein niederländischer und ein indonesischer Zivilist getötet worden. Mehrere weitere Menschen wurden verletzt, darunter nach Angaben des Auswärtigen Amtes ein Deutscher. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu dem Anschlag. Er galt "Ausländern und Sicherheitskräften, die sie beschützen sollten", hieß es in einer Meldung der Nachrichtenagentur Aamaak, die dem IS nahesteht. 

Die Polizei sprach nach Angaben von Reporten anfänglich von sechs Angreifern, die mit Syrien in Verbindung gestanden hätten. Ob noch Täter auf der Flucht sind, ist daher unklar. Der Polizeichef von Jakarta, Tito Karnavian, hält die IS-Miliz "definitiv" für verantwortlich. Der IS-Kämpfer Bahrun Naim, der in Syrien vermutet werde, habe den Anschlag geplant. Unter den Angreifern seien keine Ausländer, sagte der Polizeichef weiter. Die Angreifer seien Teil einer Terrorzelle aus Solo in Indonesien, die kurz vor Weihnachten Ziel eines Polizeieinsatzes war.

Die Attentäter hatten nahe einem Einkaufszentrum im Zentrum Jakartas mehrere Sprengsätze gezündet. Mindestens zwei Angreifer hätten sich selbst in die Luft gesprengt. Ein Augenzeuge berichtete, ein bewaffneter Täter habe außerdem vor einem Starbucks-Café gegenüber dem Einkaufszentrum das Feuer eröffnet.

In der Nähe befindet sich Hotels und Bürogebäude, auch eine Vertretung der UN-Organisation für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Die deutsche Botschaft ist nur 1.200 Meter entfernt. Auf Fernsehbildern waren Rauchwolken am Ort des Geschehens zu sehen. 

UNODC-Leiter Jeremy Douglas war nach eigenen Worten im UN-Büro gegenüber des Einkaufszentrums Sarinah, als sich die Explosionen ereigneten. "Wir sitzen hier im zehnten Stock fest", sagte er dem Fernsehsender BBC. "Wir sehen auf der Straße jede Menge Spezialeinheiten. Uns hat man gesagt, im Einkaufszentrum hätten sich Terroristen verschanzt."

Das Sarinah liegt im Herzen der Millionenmetropole und ist wegen seiner großen Souvenir-Abteilung bekannt. Ein Sprengsatz soll nach Medienberichten in einem kleinen Polizeiposten auf dem Mittelstreifen der vielbefahrenen mehrspurigen Straße vor dem Sarinah explodiert sein. Das Gebäude war im Fernsehen zu sehen. Die Wände waren nicht eingestürzt.

Präsident Joko Widodo sagte, er habe den nationalen Polizeichef und den Sicherheitsminister seines Landes angewiesen, die für die mutmaßliche Anschlagsserie Verantwortlichen zu verfolgen und festzunehmen. Den Opfern gehöre das Beileid der Regierung. Man verurteile die Attacke, sagte er und rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. "Der Staat, die Nation und die Bevölkerung sollten keine Angst vor solchen Terroranschlägen haben."

Indonesien, das die größte muslimische Bevölkerung der Welt hat, war in den Jahren 2000 bis 2009 Ziel mehrerer schwerer Bombenanschläge. Allein bei einem Attentat auf der Urlaubsinsel Bali wurden im Jahr 2002 insgesamt 202 Menschen getötet. Seither gehen die Behörden hart gegen Extremisten vor. In den vergangenen Jahren hatten diese ihre Anschläge vor allem gegen innere "Feinde des Islam", vor allem die Polizei, gerichtet. Seit 2009 hatte es keine Anschläge mehr gegen Ausländer gegeben. Am jüngsten Silvesterabend wurden rund 150.000 Polizisten und Soldaten entsandt, um Kirchen, Flughäfen und andere öffentliche Orte zu sichern.