Die Bundesregierung verlangt von der Regionalregierung im Nordirak eine Aufklärung des Vorwurfs, dass deutsche Waffen auf Schwarzmärkten weiterverkauft werden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte: "Wir erwarten, dass die Regionalregierung und die Peschmerga diesen Vorwürfen konsequent nachgehen und solche Praktiken sofort und umfassend eingestellt werden." Deshalb sei ein Vertreter der Regionalregierung zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt gebeten worden.

Nach Recherchen von NDR und WDR werden im irakischen Kurdengebiet Waffen verkauft, die aus einer Lieferung der Bundesregierung an die kurdische Autonomieregierung stammen könnten. In den Städten Erbil und Suleymanija hätten Reporter auf Waffenmärkten Sturmgewehre des Typs G3 und eine Pistole des Typs Walther P1 mit der Bundeswehrgravur "Bw" gefunden, berichteten die Sender.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Jens Flosdorff, sagte, es spreche viel dafür, dass zumindest zwei der in dem Beitrag gezeigten Waffen aus einer deutschen Lieferung von 2014 stammten. Es gebe aber keine Hinweise auf einen "systematischen Missbrauch" der Waffen, die von Deutschland für den Kampf der Peschmerga gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) geliefert wurden.

Laut Bundesverteidigungsministerium haben die Peschmerga bislang 20.000 Sturmgewehre und 8.000 Pistolen aus den Beständen der Bundeswehr erhalten. Flosdorff sagte, "bei dieser großen Zahl von Waffen in diesem unübersichtlichen Gebiet" könne niemand eine vollständige Kontrolle garantieren. Die nächste Waffenlieferung an die Peschmerga sei für Ende des ersten Quartals geplant.

Die Opposition im Bundestag forderte einen sofortigen Stopp aller Waffenlieferungen an die Peschmerga. Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Agnieszka Brugger, sagte: "Die Menschen im Irak brauchen nicht noch mehr Waffen, sondern umfassende politische und wirtschaftliche Unterstützung." Alexander Neu (Linke) sagte, es sei nicht auszuschließen, dass letztlich auch der IS oder andere Islamistengruppen in den Besitz deutscher Waffen gelangen könnten.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold hingegen sagte dem Sender MDR Info, Waffenlieferung an die Kurden seien alternativlos. Mögliche Weiterverkäufe von Bundeswehrwaffen seien Einzelfälle. "Niemand kann die Hand für den letzten kurdischen Kämpfer ins Feuer legen. Das haben wir damals schon gewusst, dass dies ein riskantes Unterfangen ist."

Nach Informationen von NDR und WDR sollen die deutschen Waffen von Peschmerga-Kämpfern verkauft worden sein, die seit Monaten keinen Sold erhalten hatten. Demnach wurden Sturmgewehre des Typs G3 aus dem Baujahr 1986 im Kurdengebiet für 1.450 bis 1.800 US-Dollar angeboten. Eine P1 in Originalverpackung sei für 1.200 Dollar zu haben gewesen.