Die EU, die USA und der Iran haben positiv auf das Inkrafttreten des Atomabkommens reagiert. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, das Abkommen demonstriere, dass selbst die schwierigsten Probleme mit politischem Willen, Ausdauer und Diplomatie gelöst werden könnten. Ähnlich äußerte sich der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif, der von einem "guten Tag für die Welt" sprach. Irans Staatspräsident Hassan Ruhani schrieb auf Twitter: "Ich danke Gott für diesen Segen und verneige mich vor der Größe der geduldigen Nation Iran. Glückwünsche für diesen glorreichen Sieg!" 

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Umsetzung des Atomabkommens als einen "wesentlichen Meilenstein". Dieser Tag habe die Welt zu einem sichereren Ort gemacht, ergänzte US-Außenminister Kerry. Die Bedrohung durch Atomwaffen sei durch die Einigung verringert worden. US-Präsident Barack Obama unterschrieb bereits die entsprechenden Anordnungen, um die Sanktionen seines Landes gegen Teheran aufzuheben.

"In einer Region, die von Krisen und Konflikten wahrlich heimgesucht ist, können ganz viele heute ein wenig aufatmen", sagte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Diplomatie könne auch unüberbrückbar scheinende Gegensätze überwinden und Krisen entschärfen. "Ich hoffe, dass diese Erkenntnis auch dazu führt, dass im Iran und anderswo in der Region der friedlichen Lösung von Konflikten, dem ernsthaften Bemühen um gute Beziehungen unter den Staaten neue Chancen eingeräumt werden." Das Atomabkommen mache Hoffnung, dass es gelinge, auch andere Konflikte in der Region zu entschärfen, vor allem mit Blick auf den Bürgerkrieg in Syrien.

Der Iran hatte sich im Juli mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland darauf geeinigt, sein Atomprogramm zu beschränken. Dies soll auf Jahre hinaus sicherstellen, dass die Islamische Republik keine Nuklearwaffen bauen kann. Im Gegenzug wurde vereinbart, dass die internationalen Sanktionen aufgehoben werden, sobald der Iran seinen Teil des Abkommens erfüllt hat. Das ist mit dem Bericht der IAEA vom Samstag bestätigt. Die Regierung in Teheran hat stets versichert, nie am Bau von Atomwaffen interessiert gewesen zu sein.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte eine Wiederbelebung der deutsch-iranischen Wirtschafts- und Finanzbeziehungen an. Das Abkommen eröffne die Möglichkeit, ein "neues Kapitel in den deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen aufzuschlagen". Gabriel war bereits im Juli mit einer Wirtschaftsdelegation nach Teheran gereist; Kritikern galt diese Reise als überstürzt.

Netanjahu warnt vor Vertragsmissbrauch

Durch das Ende der Sanktionen hat der Iran wieder Zugriff auf etwa 100 Milliarden Dollar, die auf ausländischen Konten eingefroren waren. Zudem kann das Land wieder internationale Verträge im Öl-, Handels- und Finanzsektor abschließen. Verkehrsminister Abbas Achondi kündigte bereits den Kauf von 114 Passagierflugzeugen von Airbus an. 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kritisierte das Inkrafttreten des Abkommens scharf. Der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nicht aufgegeben, sagte der Premier. Das Land destabilisiere weiterhin die Region im Nahen Osten und am Golf und "verbreitet den Terrorismus in der ganzen Welt, während es seine internationalen Verpflichtungen verletzt". Die Weltmächte rief er auf, den Iran genauestens zu beobachten und harsch auf Verstöße zu reagieren. Israel beschuldigt den Iran seit Langem, nach Atomwaffen zu streben, dadurch fühlt es sich in seiner Sicherheit bedroht.

Iran und USA tauschen Gefangene aus

In separaten Verhandlungen konnten sich die USA und der Iran außerdem darauf einigen, zwölf Gefangene auszutauschen. Der Iran ließ den inhaftierten Washington Post-Reporter Jason Rezaian und drei weitere US-Bürger frei – im Gegenzug für sieben Iraner in den USA, wie Regierungsvertreter beider Seiten am Samstag sagten. Unabhängig davon ließ der Iran noch einen fünften US-Amerikaner, einen Studenten, frei.

Mehrere US-Präsidentschaftsbewerber der Republikaner warfen Präsident Barack Obama vor, vor dem Iran zu kapitulieren. "Es bedeutet, dass sie 150 Milliarden Dollar plus sieben bekommen, und wir kriegen vier", rechnete der derzeitige Spitzenbewerber Donald Trump mit Blick auf die wieder freigegebenen Milliarden vor.

Mitbewerber Marco Rubio sprach der Washington Post zufolge von einer "Geiselnahme" des Iran, um im Gegenzug Zugeständnisse zu erhalten. Die US-Regierung habe Teheran damit davonkommen lassen und so einen Anreiz für andere Regierungen geschaffen, unschuldige US-Amerikaner zwecks Erpressung gefangen zu nehmen. Rubio bekräftigte außerdem, dass die USA im Fall seines Wahlsieges aus dem Atomabkommen mit dem Iran aussteigen würden.