Sieben Monate nach dem Atomvertrag von Genf ist das Atomabkommen mit dem Iran in Kraft getreten. Die Atombehörde IAEA teilte in Wien mit, die Islamische Republik habe ihren Teil des Vertrages erfüllt und vollständig umgesetzt. Daraufhin hoben die USA und die EU die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran auf. Für die nicht gerade von Erfolg verwöhnte internationale Nahost-Diplomatie war das ein historischer Tag.

"Da der Iran seine Verpflichtungen erfüllt hat, werden heute die multilateralen und nationalen wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen im Zusammenhang mit Irans Atomprogramm aufgehoben", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in Wien. "Das ist ein guter Tag für das iranische Volk und ein guter Tag für unsere Region", beteuerte Sarif.

Das US-Außenministerium teilte mit, die in dem Abkommen genannten Verpflichtungen der USA seien "in Kraft getreten". Waffen und Raketenteile wollen die Vereinten Nationen hingegen weitere fünf beziehungsweise acht Jahre lang nicht in den Iran importieren oder von dort exportieren.

Steinmeier würdigt "historischen Erfolg der Diplomatie"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte die Umsetzung des Abkommens einen Meilenstein. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte die Einigung als "historischen Erfolg der Diplomatie". "Seit heute haben wir die Gewissheit, dass der Iran alle in Wien getroffenen Vereinbarungen eingehalten und in vollem Umfang umgesetzt hat", sagte Steinmeier in Berlin. Auch für ihn persönlich sei das ein großer Moment. Steinmeier hatte selbst an vielen Verhandlungsrunden teilgenommen. Mit dem Inkrafttreten des Abkommens bestehe trotz anhaltender Meinungsverschiedenheiten und Interessenkonflikte die Chance für eine neue Phase der Beziehungen mit dem Iran.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Islamische Republik den Nuklearkern des Schwerwasserreaktors in der Stadt Arak abmontiert, die Brennkammer mit Beton ausgefüllt und damit faktisch unbrauchbar gemacht. In den Wochen zuvor hatte das Land nahezu seine kompletten Vorräte an angereichertem Uran an Russland übergeben, wo sie zu Brennstäben für den Atomreaktor in Bushehr verarbeitet werden sollen. Der Restbestand soll 15 Jahre lang auf maximal 300 Kilogramm mit einem Anreicherungsgrad von 3,67 Prozent beschränkt bleiben.

In dem hochkomplexen und detaillierten Vertragswerk verpflichtet sich der Iran zudem, zwei Drittel seiner 19.000 Uranzentrifugen abzubauen und unter IAEA-Aufsicht zu stellen. Bis 2030 darf eine Anreicherung nur in der Stadt Natanz stattfinden, nicht in der zweiten unterirdischen Anlage von Fodor, die zu einer Forschungseinrichtung umgebaut wird. Zudem erhält die IAEA für das nächste Vierteljahrhundert außerordentliche Kontrollrechte.