Der Iran rechnet mit einer Aufhebung der internationalen Sanktionen nach der Umsetzung des Atomabkommens noch an diesem Samstag. "Die Sanktionen werden heute aufgehoben", kündigte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am Morgen in Wien an, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna berichtete. In Wien wollte sich Sarif im Laufe des Tages mit US-Außenminister John Kerry und der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini treffen.

Vor dem Ende der Sanktionen muss die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) dem Iran bescheinigen, dass er sein Atomprogramm, wie im Abkommen vom Juli vereinbart, zurückgebaut hat. Ein entsprechender Bericht der IAEA könnte am heutigen Samstag veröffentlicht werden. "Alle Parteien haben stetig Fortschritte hin zum Implementierungstag gemacht", hatte US-Außenamtssprecher Mark Toner am Freitagabend gesagt.

Der Iran und die Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland hatten im Juli nach jahrelangen Verhandlungen in Wien ein Atomabkommen geschlossen, das dem Iran die Nutzung der zivilen Atomtechnik erlaubt, zugleich aber sicherstellen soll, dass der Staat keine Atomwaffen entwickeln kann. Es sieht vor, dass der Iran seine Urananreicherung drastisch zurückfährt und verschärfte internationale Kontrollen zulässt. Im Gegenzug werden schrittweise die Sanktionen aufgehoben, die im Iran eine Wirtschaftskrise ausgelöst hatten.

Deutsche Autobauer noch zögerlich

Vom Ende der westlichen Strafmaßnahmen gegen den Iran wollen auch deutsche Unternehmen profitieren. Trotz des großen Absatzmarktes halten sich deutsche Autobauer bislang jedoch noch zurück. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte Europas größter Autokonzern VW mit: "Wir verfolgen die aktuelle Entwicklung und prüfen mögliche Optionen. Es gibt jedoch noch keine Entscheidungen oder Beschlüsse." Bis 2009 hatte Volkswagen im Iran Fahrzeuge des Typs Gol produziert.

Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass die Wolfsburger durchaus mit von der Partie sein wollen, wenn westliche Hersteller ihre Autos wieder im Iran verkaufen dürfen. Als Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) im Juli 2015 als einer der ersten westlichen Spitzenpolitiker nach Teheran reiste, wurde er von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet, darunter Manager von VW und Daimler. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) hatte das Land in der Vergangenheit als interessanten Markt bezeichnet.

Die VW-Tochter Audi sieht in dem islamischen Schwellenland sogar "wachsendes Potenzial für Premiummarken". Allerdings sagte eine Sprecherin, man habe bisher weder einen autorisierten Importeur noch ein Händlernetz im Iran und übe daher noch keine Geschäftstätigkeit aus. Audi beobachte die politische Entwicklung. Bei BMW hieß es nur: "Ein zukünftiger Einstieg in den iranischen Markt hängt sowohl von den politischen, als auch von den wirtschaftlichen Entwicklungen ab."

Renault und Peugeot wollen im Iran aktiv werden

Indes plant Daimler, wieder im Iran aktiv zu werden – "natürlich unter Berücksichtigung aller möglicher exportrechtlicher Regelungen". Die Stuttgarter wollen im Falle der Sanktionsaufhebung ein Vertriebsbüro für ihr Nutzfahrzeuggeschäft im Iran errichten, das vom Regionalzentrum in Dubai aus gesteuert wird. Die größte Hürde gebe es bislang noch für Finanztransaktionen. "Wegen der Sanktionen können wir zum Beispiel noch keine Räume mieten und keine Leute einstellen, weil wir keine Löhne zahlen können", sagte die Daimler-Sprecherin.

Das Nachrichtenmagazin Focus berichtete unter Berufung auf Unternehmensberater, dass Volkswagen, Audi, Skoda, BMW und Daimler im Iran aber bereits Gespräche über Vertriebsfirmen und teils über mögliche eigene Produktionslinien führten. Die Vorgaben in dem Land seien allerdings strikt – etwa mit Blick auf die Schaffung neuer Jobs oder die Übertragung technischen Wissens.

Die Automobilindustrie ist eine der wichtigsten Branchen im Land. Die französischen Hersteller Renault und Peugeot haben bereits angekündigt, groß im Iran aktiv werden zu wollen. Zudem hatten Unternehmen etwa aus China versucht, die Lücke zu füllen, die westliche Konzerne wegen der Sanktionen hinterlassen hatten.