Eine junge Iranerin läuft an einem Mural in Teheran vorbei, das die Revolutionsgarde zeigt. © Reuters/Raheb Homavandi

Der Wächterrat in Teheran hat Medienberichten zufolge viele Reformkandidaten von den Parlamentswahlen in sechs Wochen ausgeschlossen. "Die ersten Berichte, die ich erhalten habe, waren nicht vielversprechend", sagte Präsident Hassan Ruhani am Sonntag. Nach dem Atomabkommen mit dem Westen und der Aufhebung der Sanktionen wurden den Pro-Ruhani-Reformern gute Chancen auf einen Sieg bei der für den 26. Februar geplanten Parlamentswahl eingeräumt. Sie wollen die zwölf Jahre dauernde Dominanz der Hardliner und Konservativen im Parlament beenden.

Unter den abgewiesenen Kandidaten sind laut Nachrichtenagentur Ilnaauch die Tochter und der Sohn von Ex-Präsident Akbar Hāschemi Rafsandschāni. Dieser ist Ruhanis Mentor und engster Berater. Bestätigt wurde Mohammed-Resa Aref, der Spitzenkandidat der Reformer.

Deutsche Außenpolitiker aus Koalition und Opposition haben das Ende der westlichen Sanktionen gegen den Iran begrüßt, zugleich aber vor Euphorie gewarnt. "Die Beendigung der Sanktionen ist möglich, weil der Iran sich nun vollumfänglich an die Vereinbarungen aus dem Atomvertrag hält", sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, der Berliner Zeitung. Deutschland sei am Zustandekommen des Vertrags maßgeblich beteiligt gewesen und werde auch in Zukunft darauf achten, dass der Iran ihn weiter einhalte. "Andernfalls werden die Sanktionen wieder eingeführt." Wichtiger als Wirtschaftschancen sei die Entschärfung des Atomkonflikts, die die Sicherheit in der Region erhöhe –  "auch für Israel", so Hardt.

Skeptischer reagierten die Grünen. "Es ist gut, dass das Abkommen nun in Kraft ist", sagte ihr außenpolitischer Sprecher, Omid Nouripour, der Berliner Zeitung. Es gebe aber auch Risiken. "Wenn die Wirtschaft des Iran wächst, spült das auch mehr Geld in seine Kriegskasse für regionale Konflikte." Auch die massiven Menschenrechtsverletzungen des Regimes dürfe man trotz der Normalisierung der Beziehung nicht vergessen.

In einem historischen Schritt hatten die internationale Gemeinschaft und der Iran ihren Streit um das Atomprogramm Teherans beigelegt. Die EU und die USA hoben am Samstag ihre Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen die Islamische Republik auf. Damit kann Teheran unter anderem wieder Öl und Gas in die EU exportieren und erhält wieder Zugang zum internationalen Finanzmarkt. Zugleich dürfen Firmen aus dem Westen wieder mit dem Iran Geschäfte machen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte dem Iran bescheinigt, dass er sein Atomprogramm gemäß den Auflagen des Abkommens vom Sommer 2015 massiv zurückgebaut hat.