Visar Duriqi in Hamburg © Privat

"Sie hatten bereits Waffen und Schalldämpfer gekauft, die werden nur für Attentate benutzt, für sonst nichts" – so viel weiß Visar Duriqi. Der 28-jährige Kosovare war selbst das Ziel: "Zwei Islamisten planten, mich umzubringen, mich und zwei Parlamentarier." In einer Berliner Bar erwähnt er das wie nebenbei und hat sofort alle Aufmerksamkeit. Jeden Tag hätten sie ihm aufgelauert, immer mit einem anderen Wagen. Anhänger extremistischer Imame seien das gewesen, aus der Hauptstadt Prishtinë; einer habe eine Autovermietung geführt, der andere als Frisör gearbeitet.

Woher Duriqi das weiß? Der kosovarische Geheimdienst konnte das Attentat verhindern. Doch auf die Behörden seiner Heimat will er sich lieber nicht verlassen: "Viele Islamisten sind bei den Sicherheitsbehörden untergekommen. Sie schützen die Extremisten."

Mit Drohungen musste sich der junge Mann schon lange auseinandersetzen. Nach seiner Ausbildung zum Imam war er Journalist geworden, arbeitete an investigativen Projekten bei der Gazeta Express. Duriqi war dort verantwortlich für die Berichterstattung über Islamisten, und vor allem die Rekrutierung von Kämpfern für den "Islamischen Staat" im Kosovo gehörte zu seinen Themen. Damit gewinnt man nicht nur Freunde, doch die Lage eskalierte im Sommer 2014, als das Muslim Youth Forum, eine lokale radikal-islamistische Organisation, eine Kampagne gegen ihn startete.

"Komm her du Ungläubiger"

Sie gaben ihm die Schuld daran, dass Islamisten überall im Land verhaftet wurden. Tausende Todesdrohungen hat er seither erhalten. "Manche Menschen haben mich einfach auf der Straße angehalten und gesagt, ich sei der Teufel, ich würde Muslime hassen", sagt Duriqi. Schlimmer wurde es nach den ersten Enthauptungen von Geiseln des IS in Syrien: "Dich werden wir auch köpfen", drohte man ihm häufig an.

Eine Bitte um Personenschutz, der auch die Organisation Reporter ohne Grenzen Nachdruck verlieh, blieb unerhört. Duriqi verließ das Land und ist seit März Stiftungsgast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte. "Hamburg ist eine Stadt, in die ich mich nach den ersten Tagen verliebt habe. Aber es stimmt schon auch, dass die Deutschen etwas reservierter sind." Einen Asylantrag will er nicht stellen, sondern bald wieder ins Kosovo zurückkehren und seine Arbeit bei der Gazeta Express wieder aufnehmen.

Die Reserviertheit der Deutschen ist aber nicht Duriqis größtes Problem in Hamburg: Auch dort erhielt er Todesdrohungen albanischer Islamisten. Er schaut auf sein Handy, öffnet Facebook und übersetzt: "Ist das Meinungsfreiheit? Religiöse Gefühle beleidigen? Ich lebe auch in Deutschland. Komm her du Ungläubiger. Wenn ich dich in die Finger bekomme, werde ich dich töten."

Der kosovarische Staat sei zu schwach und nicht in der Lage, gegen die Islamisten vorzugehen, sagt Duriqi. "Korruption, Hoffnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit – das zusammengenommen ist ein idealer Nährboden." Für die Radikalisierung macht der Journalist Organisationen vom Golf verantwortlich: "Nach dem Krieg 1999 kamen viele NGOs aus Saudi-Arabien. In der einen Hand hielten sie etwas zu essen, in der anderen wahabitische (salafistische) Literatur. Niemand kontrolliert die Tausenden NGOs im Kosovo. Sie können machen, was sie wollen."