Bei dem Selbstmordanschlag am Vormittag in Istanbul sind nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier acht deutsche Staatsangehörige getötet worden. Neun weitere Deutsche seien schwer verletzt, sagte Steinmeier unter Berufung auf Informationen, die er in einem Telefonat von seinem türkischen Amtskollegen erhalten habe. Eine endgültige Bestätigung durch die deutschen Diplomaten vor Ort gebe es aber noch nicht, sagte Steinmeier. Auch ein Peruaner starb, bestätigte das Außenministerium in Lima.

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Der Anschlag ereignete sich am Vormittag in dem bei Touristen beliebten Altstadtviertel Sultanahmet in der türkischen Millionenstadt Istanbul. Der Angreifer sprengte sich nach türkischen Angaben mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Die Touristen waren mit einem Berliner Reiseveranstalter unterwegs. Nach Angaben der Lebenslust Touristik GmbH war eine Gruppe von 33 Personen zur Zeit des Anschlags in Istanbul.

Bei dem Attentäter handelt es sich nach türkischen Regierungsangaben um einen 1988 geborenen Mann, der der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angehört, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu. Er kündigte an, der Kampf gegen den IS werde fortgesetzt, bis die Terrormiliz keine Gefahr mehr darstelle.

Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu habe Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat sein Beileid und Bedauern ausgedrückt. Merkel sagte: "Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und den Verletzten". Das Auswärtige Amt richtete nach Angaben Merkels einen Krisenstab ein. Steinmeier (SPD) sprach von einem "barbarischen feigen Akt des Terrors", den die Bundesregierung auf das Schärfste verurteile. Zugleich versicherte er: "Wir stehen fest an der Seite der Türkei."

Der Krisenstab des Auswärtigen Amts und das deutsche Generalkonsulat in Istanbul bemühen sich weiter um Aufklärung. Inzwischen hat das Ministerium seine Reisehinweise auf der Homepage aktualisiert und empfiehlt deutschen Urlaubern "dringend", alle Menschenansammlungen in Istanbul zu meiden, ebenso wie Demonstrationen und Versammlungen in türkischen Städten. Dänemark schloss sich der Warnung an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan machte in einer TV-Ansprache einen "Selbstmordattentäter syrischer Herkunft" für diese Tat verantwortlich. Nach Angaben des stellvertretenden Ministerpräsidenten Numan Kurtulmuş wurde ein 27-jähriger Syrer als Attentäter identifiziert.

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Kurz nach dem Anschlag hatte die Polizei den Platz weiträumig abgesperrt und die Behörden eine Nachrichtensperre verhängt. Zudem lud Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu zu einem Krisentreffen in die Hauptstadt Ankara. Neben Innenminister Efkan Ala und Außenminister Feridun Sinirlioğlu nahmen daran auch die Chefs von Geheimdienst und Polizei teil.

Viertel mit Hagia Sophia und Blauer Moschee

Das im europäischen Teil von Istanbul gelegene Viertel Sultanahmet ist bei Touristen beliebt. Dort befinden sich Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia, die Blaue Moschee sowie viele Bars und Restaurants. 

Im Januar 2015 waren in dem Viertel zwei Polizisten bei einem Anschlag verletzt worden. Damals sprengte sich eine Frau in die Luft und riss dabei einen Polizisten mit in den Tod; ein weiterer wurde verletzt. Die Attentäterin hatte nach offiziellen Angaben Verbindungen zum IS.

Anschläge durch IS und Kurden

Im vergangenen Jahr hatte es in der Türkei zwei schwere Bombenattentate gegeben. Zu beiden hatte sich IS bekannt. Im Juli wurden bei einem Anschlag in Suruç an der Grenze zu Syrien mehr als 30 Menschen getötet. Im Oktober hatten sich zwei Selbstmordattentäter während einer Friedensdemonstration nahe dem Hauptbahnhof in Ankara in die Luft gesprengt. Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben. Den Doppelanschlag schreiben die türkischen Behörden einer örtlichen IS-Zelle zu.

Zuletzt wurde am 23. Dezember auf dem Istanbuler Flughafen Sabiha Gökçen bei einem Attentat ein Mensch getötet. Zu der Tat bekannte sich die kurdische Gruppe Tak. Derzeit läuft im Südosten des Landes eine Offensive der türkischen Streitkräfte gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die damit gedroht hat, den Konflikt auch in den Westen der Türkei zu tragen. Die PKK greift aber in der Regel staatliche Einrichtungen an und ist bemüht, ihr Verhältnis zu westlichen Ländern zu verbessern.