Bei dem Anschlag in Istanbul sind zehn Deutsche getötet worden. Sie waren in einer insgesamt 33 Mitglieder zählenden Reisegruppe in Istanbul unterwegs und wollten von dort weiter nach Dubai und Abu Dhabi reisen. Nach Angaben verschiedener Landesregierungen handelt es sich bei den Opfern um ein Ehepaar im Alter von 59 und 61 Jahren aus Mainz, einen 73-jährigen Mann aus Bad Kreuznach (ebenfalls Rheinland-Pfalz), ein Ehepaar im Alter von 71 und 73 Jahren aus Falkensee (Brandenburg), einen 67 Jahre alten Mann aus Nordhessen, eine 70-jährige Frau aus Leipzig sowie zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden und ein Mann aus Berlin, dessen Alter zunächst nicht bekannt wurde. Laut dem Auswärtigen Amt werden sieben Verletzte in Krankenhäusern behandelt, davon fünf auf der Intensivstation.  

Ein Attentäter hatte sich nahe der Blauen Moschee mitten in einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt und nach Angaben der türkischen Regierung elf Menschen getötet. Am Dienstag hatte die peruanische Außenministerin Ana María Sánchez zunächst gesagt, eines der Opfer stamme aus Peru. Diese Angaben hatte ein Sprecher ihrer Behörde später revidiert.   

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, es lägen nach bisherigem Ermittlungsstand keine Hinweise vor, wonach der Anschlag gezielt gegen Deutschland gerichtet war. Er sehe keinen Grund, nicht in die Türkei zu fahren oder Reisen abzubrechen, sofern man nicht in Krisenregionen reise. "Wir wollen in unserem Verhalten unser Leben nicht verändern und unser freiheitliches Leben weiter führen", sagte de Maizière, der am Mittwoch den Anschlagsort besichtigen wollte.

Die Bevölkerung in Deutschland verurteile den Anschlag gemeinsam mit der Bevölkerung der Türkei, sagte de Maizière. Er dankte der türkischen Regierung und den Behörden für ihre Arbeit. Zur Frage, ob sich die Sicherheitslage in Deutschland durch das Attentat verändert habe, sagte Justizminister Heiko Maas in der ARD: "Nicht wegen dieses Anschlags." Deutschland sei aber generell von Terroristen bedroht. "Deshalb ist eine allgemeine Gefährdung sicherlich nicht zu leugnen", sagte Maas.

Türkischen Angaben zufolge war der Täter Nabil Fadli ein Anhänger des IS. Zu seinem Alter gibt es widersprüchliche Angaben, er soll 27 oder 28 Jahre alt gewesen und in Saudi-Arabien geboren worden sein. Er hat nach Angaben des saudischen Innenministeriums das Land 1996 mit seiner Familie verlassen und besaß die syrische Staatsbürgerschaft. Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu sagte, er sei als Flüchtling in die Türkei gekommen. Er sei aber nicht beobachtet worden, weil er auf keiner Gefährderliste gestanden habe. Ein Bekenntnis des IS zu dem Anschlag wurde bisher nicht bekannt.

Die Polizei sucht nach Helfern des Attentäters. Beamte nahmen nach Angaben des Ministerpräsidenten fünf Verdächtige fest. 

Türkischer Geheimdienst warnte vor Anschlägen

Der türkische Geheimdienst MIT hatte die Polizei offenbar wenige Tage vor dem Selbstmordanschlag in Istanbul vor IS-Anschlägen gegen Ausländer gewarnt. Der Zeitung Hürriyet zufolge meldete der MIT am 17. Dezember und am 4. Januar, dass gezielt Touristen, diplomatische Vertretungen, Büros der Nato sowie internationale Organisationen angegriffen werden sollen. Der IS wolle dabei Selbstmordattentäter einsetzen. Ein hoher Polizeibeamter habe den Zeitungsbericht bestätigt, schreibt Spiegel Online

Laut den Berichten sind weitere Verdächtige noch auf freiem Fuß. In einer zweiten Mitteilung warnte der MIT die Polizei vor insgesamt neun Frauen und zehn Männern aus Syrien. Die türkische Regierung bezeichnet die Anschlagsgefahr als längst nicht gebannt.

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Die Polizei hat in der Mittelmeerstadt Antalya drei russische Staatsbürger festgenommen, die Verbindungen zum IS haben sollen. Russischen Sicherheitskreisen zufolge haben sie Verbindung zu ausländischen terroristischen Gruppierungen gehabt oder waren sogar Mitglieder. Einer der Männer werde mit russischem und internationalem Haftbefehl gesucht. In ihrer Unterkunft seien zahlreiche Dokumente und CDs sichergestellt worden, meldete die Nachrichtenagentur Doğan.

Ein direkter Zusammenhang mit dem Anschlag von Istanbul ist unwahrscheinlich, da die Haftbefehle älter sein dürften. Antalya ist eines der beliebtesten Urlaubsziele von Deutschen in der Türkei.