EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat vor schweren wirtschaftlichen Folgen wegen wiedereingeführter Grenzkontrollen gewarnt. "Wer Schengen killt, wird den Binnenmarkt zu Grabe tragen", sagte Juncker in Brüssel. Grenzkontrollen bedeuteten etwa Wartezeiten im Güterverkehr und damit höhere Kosten für die Wirtschaft, die schnell in die Milliarden gehen und viele Arbeitsplätze kosten könnten.

Dies könne zu einem Arbeitslosenproblem führen, "das nicht mehr beherrschbar sein wird", sagte Juncker. "Wenn das alles zusammensackt", dann werde der wirtschaftliche Preis und der Verlust an Wachstum enorm sein. Auch der Euro sei dann infrage gestellt. "Ohne Schengen, ohne die Freizügigkeit der Arbeitnehmer, ohne die Reisefreiheit, von der alle Europäer profitieren können, macht der Euro keinen Sinn."

Die Grenzkontrollen auf der Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden hätten bereits Kosten von 300 Millionen Euro erreicht, sagte Juncker. Werde bei allen derzeit geltenden Grenzkontrollen in Europa eine einstündige, zusätzliche Wartezeit pro Lkw zugrunde gelegt, bedeute das Kosten von drei Milliarden Euro.

Schäuble sieht Europa in Gefahr

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wollte sich nicht zu den Schätzungen äußern. Es sei aber klar, dass Europa nahe an einem Scheitern Schengens stehe. Sollte Deutschland seine Grenzen schließen, wäre ein Leidtragender beispielsweise Griechenland. Die Verschärfung der Lage könne sehr schnell eintreten: "Das ist nicht eine Frage von Monaten", so Schäuble, sondern eines deutlich kürzeren Zeitraums. Falls Deutschland als größte Volkswirtschaft der Eurozone wie Schweden Grenzkontrollen einführte, wäre dies eine "gewaltige, eine enorme Gefährdung Europas".

Um Schengen zu erhalten, müsse deshalb schnell eine Lösung in der Flüchtlingskrise gefunden werden, forderte Schäuble. Er warnte die andere EU-Länder indirekt, ihre Außengrenzen endlich besser zu schützen und auch mehr zur Stabilisierung von Krisenländern zu tun, damit der Zustrom nach Europa deutlich zurückgehe. Dazu sei auch eine "intensivere Unterstützung und Zusammenarbeit" mit EU-Nachbarstaaten und Herkunftsländern nötig. "Und dafür werden wir sehr viel mehr Geld brauchen."

Wenn dabei nicht alle EU-Staaten mitmachen könnten, sei er auch für eine "Koalition der Willigen" offen, sagte Schäuble. Der Finanzminister hat im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss im Bundeshaushalt erzielt und bereits 12,1 Milliarden Euro für die Bewältigung der Flüchtlingskrise zurückgestellt.