Ein Unabhängigkeitskämpfer nach den Regionalwahlen in Barcelona © Jorge Guerrero/AFP/Getty Images

Es war am späten Abend des 27. September 2015, als sich das Interesse der internationalen Politik kurz auf Katalonien richtete, die Region um die spanische Metropole Barcelona. Ein Bündnis aus Unabhängigkeitskämpfern hatte die Mehrheit der Sitze im Regionalparlament gewonnen, es verkündete selbstbewusst, sich nun binnen 18 Monaten von Spanien loseisen und eine eigene Verfassung erarbeiten zu wollen. In die deutsche Innenpolitik übersetzt wäre das etwa so dramatisch, als hätte Bayern gerade den Bruch mit der Bundesrepublik verkündet.

Dreieinhalb Monate nach dem Sieg der Separatisten ist der Enthusiasmus in Katalonien längst passé: Das ungleiche Wahlbündnis von liberalen Konservativen bis hin zu Linksrepublikanern hält nicht mehr als der Wunsch nach Unabhängigkeit zusammen, auf einen Regionalpräsidenten, also auf einen Anführer, kann es sich nicht einigen.

Bis Sonntag muss eine Lösung her

Die liberale Partei Convergència Democràtica de Catalunya (CDC) hält an ihrem bereits vor den Regionalwahlen amtierenden Ministerpräsidenten Artur Mas fest. Der smarte erklärte Proeuropäer, der erst seit ein paar Jahren ein Unabhängigkeitsfreund ist, soll im Amt bleiben. Dabei war Mas wegen zahlreicher Korruptionsskandale in den eigenen Reihen nicht einmal Spitzenkandidat des Unabhängigkeitsbündnisses Junts pel Sí gewesen.

Die linksalternative Anti-System-Partei CUP (Kandidatur der Volkspartei), auf deren Stimmen Junts pel Sí im Parlament angewiesen ist, verweigert der Personalie aber ihre Zustimmung: Más stehe für das "alte System" der politischen Elite Kataloniens, die sich gegenseitig Vorteile zuschustert.

Spätestens bis Sonntag (10. Januar) muss, so gibt es das Gesetz vor, eine Regierung in Katalonien gegründet sein. Wenn die Antikapitalisten keinen alternativen Kandidaten finden, wird es im März Neuwahlen in Katalonien geben– mit dem Risiko, dass die zerstritten Unabhängigkeitskämpfer diesmal verlieren. Schließlich hatten sie schon beim letzten Mal nur knapp die Mehrheit der Parlamentssitze erreicht: Die ebenso knappe Mehrheit der abgegebenen Stimmen vereinten die Parteien auf sich, die gegen eine Abspaltung von Spanien sind.

Angesichts dieses Risikos hielt die CUP kurz vor Weihnachten eine Vollversammlung ab, um basisdemokratisch zu entscheiden, ob sie Artur Más nicht doch akzeptieren könnte. Das Ergebnis war denkwürdig: 1.515 CUP-Anhänger stimmten dagegen, genauso viele (1.515) dafür. Die Führung der Linksalternativen entschied sich nun am Montag, dies als ein Veto gegen Mas zu interpretieren.

Der gab sich unbeeindruckt: "Ich habe Lust, Madrid und den Kräften, die es uns hier so schwer machen, die Stirn zu zeigen", sagte der Noch-Ministerpräsident. Das klingt, als würde er Neuwahlen in Kauf nehmen und das Unabhängigkeitsbündnis in seiner jetzigen, zerstrittenen Form aufkündigen. Die linke CUP hingegen appelliert an separatistische Kräfte, noch einen Kandidaten zu finden, der allen passt. In den seit Monaten dauernden Verhandlungen hat sich aber bisher kein solcher aufgetan. Wie zerstritten die CUP ist, äußert sich auch darin, dass deren Anführer am Montag zurücktrat.