Tunesiens Präsident Béji Caïd Essebsi hat Ausländer für die schweren Unruhen in seinem Land verantwortlich gemacht. Einflüsse von außen und böswillige Kräfte würden Sicherheit und Stabilität in Tunesien gefährden, sagte der Staatschef in einer TV-Ansprache. Es war seine erste Stellungnahme seit Beginn der Proteste vor fast einer Woche. Essebsi warnte vor einem Einsickern von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" aus Libyen; die Dschihadisten könnten sich die aktuelle Situation zunutze machen.

Essebsi versprach ein Regierungsprogramm zur Reduzierung der hohen Arbeitslosigkeit, die zu den Demonstrationen geführt hatte. Die Regierung beriet am Samstag in einer Krisensitzung über die Lage: Ministerpräsident Habib Essid sprach vor der Kabinettssitzung mit dem Verteidigungs- und dem Innenminister. Essid sagte, das Land stehe vor großen Herausforderungen, und seine Regierung arbeite daran, ihnen zu begegnen.

Ausgangssperre wird weitgehend befolgt

Nach neuen Ausschreitungen war am Freitag ein nächtliches Ausgehverbot im ganzen Land verhängt worden. Es soll bis auf Weiteres von 20 bis 5 Uhr gelten. Der Schritt sei notwendig, da die Sicherheit des Landes und seiner Bürger in Gefahr sei, erklärte das Innenministerium. Es reagierte damit auf Plünderungen und Brandschatzungen im Großraum Tunis und anderen Städten am Freitag. "Im Hinblick auf die Sicherheit beginnt sich die Lage zu stabilisieren", sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Nach Verhängung der Ausgangssperre herrschte in der westtunesischen Stadt Kasserine Ruhe – dort hatten die Unruhen ihren Ausgang genommen, nachdem ein 28-jähriger Arbeitsloser bei Protesten von einem Stromschlag getötet worden war. In Sidi Bouzid, wo im Dezember 2010 die Proteste begonnen hatten, die zum Sturz des langjährigen Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali führten, setzten Jugendliche Autoreifen in Brand, doch war es auch dort eher ruhig. Im Arbeiterviertel Ettadhamen, einer Vorstadt von Tunis, lieferten sich Vermummte Straßenschlachten mit der Nationalgarde.

Bei den schwersten sozialen Unruhen in Tunesien seit dem Ausbruch des arabischen Aufstands vor fünf Jahren nahmen Sicherheitskräfte mehr als 260 Menschen fest. Sie sollen in Akte von Vandalismus und Gewalt verwickelt gewesen sein, berichteten lokale Medien unter Berufung auf einen Sprecher des Innenministeriums.

Am Freitag gab es Berichte über zwei geplünderte Elektronikgeschäfte und eine geplünderte Bankfiliale. Eine Polizeiwache wurde abgebrannt. Das Innenministerium warf Kriminellen vor, die friedlichen Proteste gegen die Regierung zu missbrauchen. Binnen 24 Stunden wurden landesweit 42 Mitglieder der Sicherheitskräfte verletzt.