Von Loyalität zu Parteien hält er wenig. Sein halbes Leben war er Demokrat und hat doch für die Bürgermeisterwahl in New York 2001 auf der Liste der Republikaner kandidiert. 2009 strebte er eine dritte Amtszeit an, die das Recht damals nicht zuließ. In weiser Voraussicht war Michael Bloomberg zwei Jahre zuvor parteilos geworden – es gelang ihm, die Stimmen für die Ausdehnung auf drei Amtszeiten zu organisieren.

Ein Opportunist ist er aber auch nicht. Seine Loyalität gilt seiner Stadt und seiner Nation. Man kann die schillernde Politkarriere nämlich auch als Ausweis von Verantwortungsgefühl erzählen. Als er 2001 antrat, durchlitt New York den Terroranschlag von 9/11. Dass er 2009 bleiben wollte, begründete er so: Mitten in der Finanzkrise brauche die Stadt einen erfahrenen Ökonomen an der Spitze. Viele fanden das überzeugend. Der bald 74-jährige Enkel jüdischer Flüchtlinge aus dem zaristischen Russland hat das wohl einflussreichste Medienimperium für Finanzinformation aufgebaut. Sein Vermögen wird auf über 40 Milliarden Dollar taxiert. Er muss nichts mehr werden, könnte seinen Reichtum genießen.

Noch nie gewann ein Parteiloser die Präsidentenwahl

Auch deshalb findet die Nachricht, dass Bloomberg als Parteiloser für das Präsidentenamt antreten und aus dem üblichen Duell zwischen einem Demokraten und einem Republikaner eine Entscheidung zwischen drei Kandidaten machen könnte, Beachtung. Viel mehr als Spekulation ist freilich nicht, was die New York Times unter Berufung auf Vertraute Bloombergs berichtet. Er hat sich noch nicht entschieden.

An den am 1. Februar beginnenden Vorwahlen, der innerparteilichen Kandidatenkür in beiden großen Lagern, muss er als parteiloser Bewerber nicht teilnehmen. Aber er muss Sorge tragen, dass er überall auf dem Stimmzettel für die Hauptwahl im November steht. Jeder der 50 Bundesstaaten hat da eigene Anforderungen, was die Fristen und die Zahl der Unterschriften von Unterstützern betrifft. Spätestens im März muss er beginnen, sie zu erfüllen, sonst wird das nichts.

Noch nie hat ein Unabhängiger die Präsidentenwahl gewonnen, seit sich die festen Lager herausgebildet haben. Eine Chance hat auch Bloomberg nur in bestimmten Konstellationen: wenn die Mitte offen ist, weil die Republikaner einen ganz Rechten wie Ted Cruz oder einen zweifelhaften Populisten wie Donald Trump nominieren und die Demokraten zugleich einen Linken wie Bernie Sanders. Oder wenn Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre angeklagt wird. Entscheiden sich beide Lager jedoch für Moderate wie Clinton und Marco Rubio oder Jeb Bush, wird Bloomberg wohl nicht antreten.