Das Buch von Nicolas Sarkozy, "La France pour la vie", kommt am 25. Januar in den Handel. © Dominique Faget/AFP/Getty Images

Er sagt nicht explizit, dass er wieder Präsident der Franzosen werden will. Aber sein neues Buch, das ab Montag zu kaufen ist, tut es für ihn. Nicolas Sarkozy schwört im Titel La France pour la vie – Frankreich ein Leben lang. Mit einer Startauflage von 120.000 Exemplaren soll es die Bestsellerlisten stürmen und, wichtiger noch, das Comeback des konservativen Politikers anschieben. 2012 war Sarkozy nach fünf Jahren mit deutlicher Mehrheit abgewählt worden.

Der Ex-Präsident, der nicht nur auf dem Cover ein neues Gesicht zeigen möchte, liefert eine Mischung aus staatstragendem Regierungsprogramm für "Sarkozy II" und einem reuevollen Mea Culpa zur ersten Amtszeit: Immerhin 27 Fehler beichtet er in dem Buch laut einer Auflistung der Tageszeitung Le Figaro. Dass Sarkozy überhaupt wieder als Schriftsteller tätig ist – sein bis dato letztes Werk Témoignage stammte von 2006 – war lange geheim gehalten worden. Erst vor wenigen Tagen teilte Sarkozy die Neuerscheinung auf Facebook und Twitter mit.

Der 60-Jährige gab sich in der Ankündigung selbstkritisch: "Ich weiß um die fürchterliche Vertrauenskrise, die Politik und Politiker auslösen. Ich will mich auf keinen Fall freisprechen von meinem persönlichen Teil der Verantwortung an dieser Situation." Vielleicht könne er ja Vertrauen wiederherstellen, schreibt der Chef der französischen Republikaner, die in einer Urwahl über ihren Kandidaten zur Präsidentschaftswahl im Mai 2017 abstimmen werden. Sarkozy kämpft dabei wahrscheinlich gegen die Parteifreunde Alain Juppé, François Fillon, Bruno Le Maire und Jean-François Copé – alle haben bereits programmatische Bücher vorgelegt.

Anmerkungen zu einem übergroßen Ego

Sarkazoy weiß, dass er sein bei vielen Franzosen katastrophales Image ändern muss, und nimmt die oft gestellte Charakterfrage demütig auf: "Ich war zu selbstgewiss, zu kantig und vielleicht sogar zu grob vereinfachend. Ich musste erst mit den Schwierigkeiten des Lebens konfrontiert werden, um zu verstehen und zu lernen. Mit dem Abstand begreife ich, warum ich die anderen bis zur Weißglut gereizt haben könnte." An anderer Stelle schreibt er: "Wenn man Präsident werden will, ist man es sich schuldig, jeden Einzelnen zu berücksichtigen und zu respektieren, sich für jeden zu interessieren." Das tat er längst nicht immer, wie er eingesteht.

Er räumt vor allem Dinge ein, für die er ohnehin schon viel Kritik einstecken musste. Als Fehler sieht Sarkozy im Nachhinein etwa den Urlaub auf der Traumjacht eines seiner reichen Freunde nach dem gewonnenen Wahlkampf 2007. Solche Luxus-Eskapaden hatten ihm den Beinamen "Präsident Bling-Bling" eingebracht. Er sei in den ersten Monaten im Amt zu sehr Mensch geblieben und nicht sofort Präsident geworden, meint Sarkozy heute. Auch seinen Ausfall vor laufender Kamera ("Hau ab, armseliger Idiot") gegen einen Mann, der ihn bei einer Veranstaltung beleidigte, sieht er inzwischen als falsch an.

Mit Blick auf allzu zögerliche Veränderungen in Frankreich schreibt Sarkozy nun von Reue über mangelnde Konsequenz: Die nicht gekippte Reichensteuer ISF zählt er dazu oder die unangetastete 35-Stunden-Woche. Doch zum Dunstkreis seiner juristischen Verstrickungen gibt es weiterhin nur Dementis. Bygmalion etwa will er nicht gekannt haben: Über das PR-Unternehmen soll seine Partei mit fingierten Rechnungen 2012 illegal Wahlkampfkosten für Sarkozy übernommen haben. Die Ermittlungen laufen.

Das Sündenregister der Affären

Die zahlreichen Affären seiner Präsidentschaft lassen Sarkozy noch nicht los – und seine Kritiker geben sich alle Mühe, das vermeintliche Sündenregister auch auf seinen Facebook- und Twitter-Accounts gnadenlos aufzulisten. Für sie steht Sarkozy eher mit einem Bein im Gefängnis als (wieder) im Élysée-Palast. Der deutsche Titel des Buches sollte deshalb vielleicht besser nicht Frankreich lebenslänglich lauten.

Gegen seinen stärksten innerparteilichen Gegner, den früheren Premierminister Alain Juppé, hätte Sarkozy nach aktuellen Umfragen bei den Vorwahlen im November kaum eine Chance. Sieben von zehn Franzosen sehen Sarkozy nach der Niederlage von 2012 gegen François Hollande nur "von Rache getrieben". 86 Prozent sehen in seinem Buch vor allem einen PR-Streich mit Blick auf die erwartete Kandidatur. Der Verlag Plon hofft trotzdem auf 250.000 verkaufte Exemplare.