Auf dem Militärflughafen in Panakhot, der bereits am Samstag Ziel eines mutmaßlich islamistischen Angriffs war, wird wieder geschossen. Bis zu zwei "Terroristen" seien auf dem Gelände und feuerten in Abständen immer wieder Schüsse ab, sagte Pathankots Polizeichef Kunwar Vijay Partap Singh der Nachrichtenagentur AFP. Die Polizei versuche sie zu stellen.

Nach dem Überfall in der Nacht zum Samstag war zunächst gemeldet worden, dass alle fünf Angreifer getötet worden seien. Das hatte Indiens Innenminister Rajnath Singh dem Nachrichtensender Al Jazeera bestätigt. Die Zahl der insgesamt gemeldeten Todesopfer stieg auf  zwölf.

Was genau hinter dem Vorfall steckte, blieb bislang offen. Die indische Regierung erklärte, sie habe Geheimdienstinformationen darüber, dass Angehörige einer militanten Islamistengruppe aus Pakistan über die Grenze kamen. Der Angriff könnte die Bemühungen erschweren, den Dialog zwischen den beiden Erzrivalen Pakistan und Indien wiederzubeleben.

"Wir wollen Frieden, doch wenn Terroristen Angriffe auf indischem Boden ausführen, werden wir ihnen eine passende Antwort geben", sagte Indiens Innenminister Singh. Die pakistanische Regierung verurteilte den Angriff und bekräftigte ihre Gesprächsbereitschaft. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, Islamabad bleibe der Zusammenarbeit mit Indien verpflichtet, um "die Bedrohung des Terrorismus in unserer Region (...) vollständig zu vernichten". 

In der Nacht zum Samstag war nach Angaben des indischen Verteidigungsministeriums eine Gruppe Extremisten in den Wohntrakt des Militärgeländes in Pathankot eingedrungen und hatte sich Feuergefechte mit Soldaten geliefert. Die Polizei prüft nach eigenen Angaben, ob die Täter aus Pakistan oder aus der zwischen beiden Ländern umstrittenen Region Kaschmir kommen. Beides ist nicht weit entfernt vom angegriffenen Stützpunkt.

Obwohl die indischen Behörden schon nach einigen Stunden den Tod von vier Angreifern meldeten, waren insgesamt 14 Stunden lang immer wieder Schüsse zu hören. Luftwaffensprecherin Rochelle D'Silva kündigte am Samstagabend an, die Basis werde nach möglichen weiteren Angreifern abgesucht. Inzwischen ist die Operation abgeschlossen. Punjabs Polizeichef Suresh Arora sagte, die fünf Angreifer in Armeeuniformen hätten das Auto eines Polizeioffiziers entführt und seien damit zum Stützpunkt gefahren. D'Silva sagte, die Männer wären bei ihrem Angriff nicht bis zu den Kampfflugzeugen und dem wichtigen Equipment vorgedrungen.

Herkunft der Angreifer noch unklar

Beobachter vermuten, dass es sich bei dem Angriff um ein Störmanöver handeln könnte, weil sich die beiden verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan zuletzt etwas anzunähern schienen. Vor etwa einer Woche hatte Indiens Ministerpräsident Narendra Modi spontan seinen pakistanischen Kollegen Nawaz Sharif getroffen. Es war der erste Besuch eines indischen Regierungschefs in rund zwölf Jahren.

Zunächst sagte der ranghohe indische Armeevertreter Satish Dua vor Journalisten, die Gruppe Jaish-e-Mohammed hätte sich zu dem Angriff bekannt. Die Information ließ sich zunächst nicht überprüfen. Die in Pakistan verbotene Gruppe kämpft für die Abspaltung der mehrheitlich muslimischen Bergregion Kaschmir von Indien. Der Geheimdienstexperte Sameer Patil vom Politikinstitut Gateway House in Mumbai schrieb die Attacke Jaish-e-Mohammed oder der Islamistengruppe Lashkar-e-Taiba zu, die den Friedensprozess mit Pakistan sabotieren wollten. Andere politische Analysten waren vorsichtiger. Die unabhängige Sozialwissenschaftlerin Ayesha Siddiqa sagte Al Jazeera, es sei zu früh, eindeutige Täter zu beschuldigen. Die Situation sei kompliziert und die Beteiligung Pakistans bisher nicht bewiesen. Uday Bhaskar, der Leiter des Zentrums für politische Studien in Neu-Delhi, sagte Al Jazeera, die Wahrscheinlichkeit, dass die Angreifer zu einer der bekannten Terrorgruppen aus Pakistan gehörten, sei hoch.

US-Außenamtssprecher John Kirby rief "alle Länder in der Region auf, zusammenzuarbeiten, um terroristische Netzwerke zu zerstören und zu zerschlagen und die Täter dieser abscheulichen Tat zur Rechenschaft zu ziehen".

Im vergangenen Juli hatten drei Angreifer in Armeeuniformen beim Angriff auf einen Bus und eine Polizeiwache im nahe Pathankot gelegenen Bezirk Gurdaspur sieben Menschen getötet. Für die Tat machte die indische Regierung Lashkar-e-Taiba verantwortlich. Neu-Delhi wirft Pakistan seit Langem vor, antiindischen Rebellengruppen Unterschlupf zu gewähren. Die Nachbarstaaten streiten seit Jahrzehnten unter anderem um die Region Kaschmir. Der Konflikt hat seit 1989 mehr als 68.000 Menschen das Leben gekostet.