Vier Tage nach dem neuen Atomtest Nordkoreas zeigen die USA Präsenz in der Region: Sie haben einen B52-Langstreckenbomber nach Südkorea geschickt. Der Bomber habe Südkorea in niedriger Höhe nahe der nordwestlichen Stadt Osan überflogen, teilte die Pazifik-Kommandostelle der US-Streitkräfte mit. Der Stützpunkt liegt gut 70 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. 

"Das war eine Demonstration der eisernen Entschlossenheit der USA, ihre Verbündeten in Südkorea, in Japan und amerikanischen Heimatboden zu verteidigen", wurde der Befehlshaber der Kommandostelle, Admiral Harry Harris Junior, zitiert. Der Überflug sei als Antwort auf den Atomtest zu verstehen. Harris warf Nordkorea eine Verletzung seiner internationalen Verpflichtungen vor.

Bei dem Flug sei der Bomber von amerikanischen und südkoreanischen Kampfjets begleitet worden, hieß es. Anschließend sei er zu seinem Stützpunkt auf die US-Pazifikinsel Guam zurückgekehrt. B-52-Bomber, die auch als Nuklearwaffenträger eingesetzt werden können, waren schon mehrmals für jährliche Übungen nach Südkorea geschickt worden. Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert. 

Einem Agenturbericht zufolge erwägen die USA für den kommenden Monat die Entsendung eines Flugzeugträgers in die Region. Es sei möglich, dass sich das Schiff an einer gemeinsamen Militärübung mit Südkorea beteilige, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag. Die US-Streitkräfte in Südkorea erklärten auf Nachfrage, sie wüssten nichts über die Pläne.

Nordkorea spricht von Selbstverteidigung

Das kommunistische Regime in Pjöngjang behauptet, bei dem Atomtest am Mittwoch sei von Nordkorea erstmals eine Wasserstoffbombe gezündet worden. Der Test hatte weltweit Empörung ausgelöst. Erste Analysen der im Ausland gemessenen Erschütterungen deuten westlichen Experten zufolge aber eher auf den Test einer Atombombe hin als auf die Zündung einer erheblich stärkeren H-Bombe.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bezeichnete den Atomversuch als Akt der Selbstverteidigung. Den USA unterstellte er, einen Atomkrieg vorzubereiten. Ziel des Tests sei es gewesen, den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und die Sicherheit der gesamten Region vor der "Gefahr eines von den US-geführten Imperialisten verursachten Atomkriegs" zu verteidigen, sagte Kim laut Staatsmedien bei einem Besuch des Ministeriums der Streitkräfte.

Nordkorea hatte schon zwischen 2006 und 2013 drei Atomtests durchgeführt, auf die der UN-Sicherheitsrat jeweils mit verschärften Sanktionen reagierte. Nach einer Dringlichkeitssitzung des höchsten UN-Gremiums am Mittwoch hatte es geheißen, der Rat erwäge als Antwort auf den neuen Atomtest weitere Schritte gegen Pjöngjang.