Der feiste nordkoreanische Jungdiktator Kim Jong Un hat sich zum Geburtstag – 33 soll er am vorigen Freitag geworden sein – ein Geschenk gemacht, das die Welt in Unruhe versetzt: Er ließ zum zweiten Mal nach seiner Machtübernahme im Jahre 2011 eine Atomwaffe testen, angeblich eine Wasserstoffbombe.

Aber war es wirklich eine Wasserstoffbombe – oder doch nur der Bombast einer Meldung, die an Großmäuligkeit kaum zu überbieten war? "Der spektakuläre Erfolg der Demokratischen Volksrepublik mit dem diesmaligen Wasserstoffbombentest ist eine große historische Tat, ein geschichtliches Ereignis von nationaler Bedeutung, weil es mit Sicherheit die ewige Zukunft unserer Nation gewährleistet."

Die Explosion am 6. Januar war, nach Tests in den Jahren 2006, 2009 und 2013, der vierte nordkoreanische Atomwaffenversuch. Die Amerikaner maßen Ausschläge von 5,1 auf der Richterskala, die Südkoreaner meldeten 4,8. Das wäre damit nur wenig stärker gewesen als bei dem Test im Jahre 2013. Amerikanische Experten wie Bruno Bennet und Daniel Pinkston bezweifeln denn auch, dass es sich wirklich um eine Wasserstoffbombe handelte – deren Sprengkraft hätte 100-mal stärker sein müssen. Sie glauben nicht, dass die Nordkoreaner bereits über die nötige hochkomplexe Technologie verfügen.

China sieht Atomprogramm mit Unbehagen

Andere Fachleute vermuten, es habe sich möglicherweise um eine mit Tritium angereicherte Atombombe gehandelt. Auch wird für möglich gehalten, dass die zweite Stufe einfach nicht gezündet habe. Genau wird man es erst in einigen Wochen wissen.

Auf jeden Fall aber sind sich die Spezialisten einig, dass Nordkorea wohl einen weiteren Schritt im Ausbau seines Atomwaffenarsenals gemacht hat. Dem Ziel, die Kernwaffen so zu verkleinern, dass sie auf einen Raketenkopf passen, sind sie offenbar wieder ein Stück näher gekommen. Da das Land gleichzeitig Raketen entwickelt, die Tokio erreichen können, aber auch das amerikanische Guam, wächst die Besorgnis der US-Verbündeten Südkorea und Japan. Doch auch China sieht Kim Jong Uns Atomprogramm mit größtem Unbehagen.

Im Dezember schon hatte Kim angedeutet, dass seine Forscher eine Wasserstoffbombe gebaut hätten. Bei seinem Parteikongress im Mai, dem ersten seit 35 Jahren, wird er daraus Kapital schlagen: Seht ihr, wir sind unangreifbar geworden! Das kann seine Position nur stärken.

"Der Test ist Selbstverteidigung"

Sein Ziel ist es, dass Nordkorea wie Pakistan als Nuklearmacht anerkannt oder wenigstens geduldet wird. Den Besitz von Atomwaffen sieht er als Bestandsgarantie. Deshalb widersetzt er sich dem Drängen Chinas, sein Atomprogramm zu beenden. "Der Test ist eine Maßnahme der Selbstverteidigung", erklärte die Regierung in Pjöngjang, "ein sicherer Schutz der Souveränität des Landes vor der wachsenden nuklearen Bedrohung und der Erpressungspolitik der von den USA angeführten feindlichen Kräfte."

Bombast, gewiss. Aber er entbehrt nicht der Logik. Milošević und Saddam wären heute noch im Amt, hätten sie Atomwaffen besessen. Das Gleiche gilt für Gaddafi: Hätte er sein Atomprogramm nicht aufgegeben, hätten die westlichen Atommächte USA, England und Frankreich schwerlich gewagt, ihn anzugreifen. Die Welt sieht die Proliferation atomarer Waffen als Gefahr, zu Recht. Doch jeder kleine Diktator sieht sie als eine Garantie der Unverletzlichkeit, ebenfalls zu Recht.