Nordkorea verschärft als Reaktion auf die anhaltenden Propagandadurchsagen Südkoreas die Rhetorik. Die Beschallung sowie Gespräche zwischen den Regierungen in Washington und Seoul über eine mögliche Entsendung atomwaffenfähiger Kampfjets in den Süden hätten die koreanische Halbinsel "an den Rand des Krieges" gebracht, warnte der Sekretär der kommunistischen Arbeiterpartei, Kim Kim Nam, vor einer großen Menschenmenge auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang. Das Staatsfernsehen übertrug die Rede.

Nordkoreas Gegner seien nur "neidisch" auf den erfolgreichen Wasserstoffbombentest des Landes, fügte Kim hinzu. Allerdings wird die Darstellung über die Zündung einer H-Bombe international stark in Zweifel gezogen. Denn das Nukleararsenal Nordkoreas gilt als begrenzt. Die am Mittwoch registrierte Detonation soll zudem für eine solche Bombe nicht stark genug gewesen sein.

Südkorea reagierte auf den mutmaßlichen vierten Atomtest Pjöngjangs dennoch und nahm die Propagandalautsprecher an der Grenze zum Norden wieder in Betrieb. Außer Botschaften, die die angebliche Unfehlbarkeit der Herrscherfamilie Kim infrage stellen, spielte der Süden koreanische Popmusik ab, sogenannten K-Pop. Diese Musik ist im Norden offiziell verboten, aber nach Aussagen von Überläufern in der Bevölkerung beliebt.

Als Südkorea zuletzt im Sommer seine Propagandalautsprecher einsetzte, kam es zu Artilleriefeuer, der Norden drohte mit Krieg. Erst nach langen Verhandlungen einigten sich die beiden Länder auf eine Deeskalation. Um auf nordkoreanische Provokationen schnell reagieren zu können, versetzte Seoul seine Frontsoldaten laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap in höchste Alarmbereitschaft. Zudem habe Südkorea Raketen, Artillerie und andere Waffensysteme unweit der Grenze stationiert.