Als Reaktion auf den neuen Atomtest in Nordkorea will Südkorea seine Propaganda-Beschallung wieder aufnehmen. Die Lautsprecher an der Grenze zum Norden sollen am Freitag wieder in Betrieb genommen werden, teilte eine Sprecherin des Präsidialamts in Seoul mit. Der Atomtest Nordkoreas sei ein "mutwilliger Verstoß" gegen internationale Verpflichtungen und eine "schwere Verletzung" des Abkommens mit dem Süden. Die südkoreanische Regierung habe daher entschieden, die Lautsprecher, die den Norden mit lauter Musik und Propaganda-Botschaften beschallen, wieder einzuschalten.

Zuletzt hatte Südkorea die Beschallung nach einem Grenzzwischenfall im vergangenen Jahr für zwei Wochen eingeschaltet. Der Konflikt mit Nordkorea hatte sich im August zugespitzt, nachdem bei der Explosion einer Landmine in der Grenzregion zwei südkoreanische Soldaten verletzt worden waren.

Die Regierung in Seoul machte Nordkorea für den Vorfall verantwortlich und verlangte eine Entschuldigung. Nordkorea wiederum verlangte eine Abschaltung der Lautsprecher, die Seoul nach mehr als zehnjähriger Pause als Vergeltung wieder eingeschaltet hatte. In langen Verhandlungen wendeten beide Seiten Ende August schließlich eine militärische Konfrontation ab.

Schärfere UN-Sanktionen

Südkorea bemüht sich nun auch um die militärische Unterstützung seines Verbündeten USA. Beide Länder haben über eine Verlegung strategischer Waffen der USA auf die koreanische Halbinsel beraten, sagte ein Vertreter des südkoreanischen Militärs. Details nannte er nicht. 

Dass die USA ihre taktischen Atomraketen wieder in Südkorea stationieren, die sie 1991 dort abgezogen hatten, ist allerdings nicht wahrscheinlich. Die US-Regierung sei in ihrer militärischen Reaktion eingeschränkt, sagte der Militärexperte Anthony Cordesman vom Center for Strategic and International Studies in Washington. "Jede Eskalation in dieser Region, jede Überreaktion kann leicht zu einem Konflikt nicht nur zwischen Süd- und Nordkorea führen, sondern auch China, die USA und Japan in eine Konfrontation ziehen."

US-Präsident Barack Obama hat bereits mit seiner südkoreanischen Kollegin Park Geun Hye über mögliche Reaktionen auf das Vorgehen Nordkoreas beraten. Mit Japans Regierungschef Shinzo Abe sei sich Obama in einem Telefonat einig gewesen, dass eine klare internationale Antwort notwendig sei, teilte das US-Präsidialamt mit. Auch der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Atomversuch als "klare Bedrohung für Frieden und Sicherheit" in der Welt und kündigte an, das Vorgehen gegen Nordkorea zu verschärfen.

"Das Militär ist in Alarmbereitschaft"

Südkorea selbst, das seit Ende des Korea-Krieges (1950 bis 1953) formell noch immer im Kriegszustand mit dem Norden ist, erklärte, es strebe nicht nach eigenen atomaren Abschreckungsmitteln. Die Regierung gab sich aber kampfbereit. "Unser Militär ist in Alarmbereitschaft", erklärte der nationale Sicherheitsberater Cho Tae Yong. "Sollte Nordkorea provozieren, wird es dafür hart bestraft werden."

Südkorea kündigte außerdem an, den Zugang zum gemeinsam mit Nordkorea betriebenen Industriekomplex Kaesong einzuschränken. Aus Sicherheitsgründen dürften nur noch Südkoreaner mit direkten Geschäftsinteressen in Kaesong in das innerhalb Nordkoreas gelegene Industriegebiet reisen, sagte ein Vertreter des Ministeriums für Wiedervereinigung in Seoul. In Kaesong arbeiten etwa 53.000 Nordkoreaner für rund 120 südkoreanische Firmen. Der Komplex ist für Nordkorea eine wichtige Devisenquelle.