Kim Jong Un (Mitte) bei einem Besuch nordkoreanischer Artillerieeinheiten (undatiert) © Reuters

Kim Jong Un, Nordkoreas Herrscher, hat etwas zünden lassen, das stark genug war, um den Erdboden spürbar zu erschüttern. Angeblich war es eine Wasserstoffbombe, zumindest aber etwas, das entwicklungstechnisch auf dem Weg dorthin ist.

Als hätte die Weltgemeinschaft nicht schon genug schwere Sorgen, arbeitet also ein alles andere als sympathisches Regime offenbar an einem Bombentyp, dessen Sprengkraft um ein Vielfaches größer ist als bei einer Atombombe.

Das ist brandgefährlich. Nicht, weil wahrscheinlich ist, dass die Nordkoreaner solche Bomben auf ihre vermeintlichen Feinde abwerfen. Eine Sorge, die geschürt wird durch Behauptungen, der junge Herrscher Kim Jong Un und seine Entourage wären ein "bizarres" Regime und würden deswegen möglicherweise "irrational" handeln.

Nein, das ist es nicht. Denn die Idee, wie in Nordkorea eine Gewaltherrschaft durch Massenvernichtungswaffen abzusichern, ist aus Sicht des Gewaltausübenden vernünftig (was wäre, wenn Syriens Assad solche Bomben gehabt hätte?). Brandgefährlich ist es, weil es andere Staaten zur Nachahmung animieren kann. Und vor allem, weil das Wissen um Waffentechnologie das notorisch klamme Nordkorea dazu verleitet, dieses an unzuverlässige Regimes weiterzuverkaufen.

Vier UN-Resolutionen seit 2006

Zwar ist erst mal Skepsis angebracht, wie weit die nordkoreanischen Ingenieure wirklich schon mit der Entwicklung einer Wasserstoffbombe sind. Auch die atomaren Zündungen von 2006 und 2009 waren nur leidlich erfolgreich. Dennoch: Der Atomtest von 2013 war gelungen, und es spricht wenig dagegen, anzunehmen, dass auch die nordkoreanische H-Bombe einmal zur Fertigung gelangen wird.

Eine der wenigen Möglichkeiten, diese Spirale anzuhalten, sind verschärfte UN-Sanktionen. Seit 2006 wurden zwar vier UN-Resolutionen gegen Nordkorea verabschiedet, nur hat keine bislang gewirkt. Das Regime hat gegen die Sanktionen verstoßen und bis heute weiter an der Entwicklung von Bomben und Raketen gearbeitet. Dass das möglich wurde, liegt vor allem an der Regierung in Peking, für deren Außenpolitik das aktuelle Bombenexperiment eine weitere krasse Blamage im Umgang mit Nordkorea ist.

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) hatte sich bislang immer als eine Art Mentor Pjöngjangs verstanden. Doch seit 2006, seit der ersten Zündung eines atombombenartigen Sprengsatzes, ist Familie Kim den Chinesen in der Rüstungsfrage stets auf der Nase herumgetanzt. Dies immer in der Gewissheit, dass Peking eine stabile Grenze zu Nordkorea haben und entsprechend dort auch ein stabiles Regime sehen will. Allein der Gedanke, dass ein Staatszerfall südkoreanische und im Gefolge auch US-amerikanische Truppen an die chinesische Grenze bringen könnte, ist zumindest für die ältere Generation in der KPCh-Führung unerträglich. Und einen massenhaften Andrang verarmter Nordkoreaner Richtung China möchte man sich in Peking auch nicht vorstellen.