Das pakistanische Militär hat den Angriff auf eine Universität im Nordwesten des Landes beendet. Alle vier Angreifer seien getötet worden, sagte der Informationsminister des Landes, Pervaiz Rasheed. Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Überfall mehr als 20 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Die Zahl könne noch auf bis zu 40 Tote steigen, hieß es. Nach Angaben des örtlichen Polizeichefs, Saeed Wazir, waren die meisten Opfer Studenten in einem Wohnheim für Männer. Laut des Gesundheitsministers der Provinz, Shaukat Yousafzai, wurden mindestens 50 Menschen verletzt. 

Zunächst hatten sich zu dem Angriff die islamistischen Taliban bekannt. Dies wurde später vom offiziellen Sprecher der Islamistengruppe, Muhammad Khorasani, dementiert. "Für uns sind Jugendliche, die an zivilen Institutionen studieren, die Erbauer des zukünftigen Staats", hieß es in seiner Erklärung. "Ihre Sicherheit und ihr Schutz ist unsere Aufgabe." Der Angriff sei unislamisch.

Ein Sprecher der Talibangruppe Tehrik-e Taliban (TTP) in der Peshawar-Region, Omar Mansoor, hatte zuvor laut örtlichen Journalisten diverse Medienhäuser angerufen und gesagt, die Taliban steckten hinter der Tat. Es sei ein Racheakt für die vom Militär im vergangenen Jahr getöteten "Kameraden". Sie hätten eine Universität angegriffen, "damit die Leute nicht wieder sagen: Wir töten Kinder".

Mansoor nahm damit Bezug auf einen Angriff der Taliban auf eine Schule in Peshawar im Dezember 2014. Damals töteten sie 136 Kinder. Die Tat wurde zum nationalen Trauma und zum Ausgangspunkt einer neuen Strategie gegen einige der militanten Gruppen im Land, vor allem gegen die verschiedenen Talibangruppen. Viele Pakistaner sprachen in den sozialen Medien über ein "schreckliches Gefühl des Déjà-vu".

Die Angreifer waren am Morgen gegen 9.30 Uhr (Ortszeit) in dichtem Nebel in die Bacha-Khan-Universität in der mittelgroßen Stadt Charsadda über eine Hintertür eingedrungen und hatten begonnen, auf Studenten und Lehrer zu schießen. Das Fernsehen zeigte Studentinnen, die Hand in Hand flohen, während Sicherheitskräfte zum Campus rasten. Die Zugänge zum Campus wurden von der Polizei abgeriegelt. Am Haupttor standen besorgte Eltern und zahlreiche Rettungswagen.

Erinnerung an Attacke auf Schule

Die betroffene Bacha-Khan-Universität in Charsadda ist nach dem Gründer einer liberalen Partei benannt, die bereits in der Vergangenheit aufgrund ihrer antiislamistischen Politik im Visier der pakistanischen Taliban gewesen war. Der Hochschule zufolge lernen an der Uni mehr als 3.000 Studenten. Am Mittwoch waren zudem 600 Gäste zu einer Literaturveranstaltung angereist.

Die Universität liegt rund 50 Kilometer von der Regionalhauptstadt Peshawar entfernt. Im Anschluss an den Angriff auf die Schule 2014 verstärkte das Militär in der Folge seine Offensive gegen die islamistischen Aufständischen in den halbautonomen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan. Die unwegsame Berggegend war bis dahin ein Rückzugsgebiet der Taliban und des Terrornetzwerks Al-Kaida.