In Paris haben Polizisten einen mit einem Messer bewaffneten Angreifer erschossen. Er hatte versucht, im 18. Pariser Bezirk in eine Polizeiwache einzudringen. Das französische Innenministerium teilte mit, der Mann habe "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen. Zunächst war auch vermutet worden, dass er einen Sprengstoffgürtel trug. Doch dabei handelte es sich nach Angaben des Ministeriums um eine Attrappe. Der Mann habe unter seiner Jacke eine Vorrichtung getragen, aus der ein Draht herausgekommen sei. Sprengstoff habe sich dort aber nicht befunden.

Der Polizeigewerkschafter Yvan Assioma sagte dem Sender iTele, der Angreifer sei vor dem Revier auf Beamte zugerannt und habe sie mit dem Messer bedroht. Er sei sofort erschossen worden. Die Rue de la Goutte d'Or, in der sich das Polizeirevier befindet, wurde abgeriegelt. Sprengstoffexperten der Polizei waren im Einsatz, um das Gebiet zu sichern. Innenminister Bernard Cazeneuve kam zum Tatort, um sich ein Bild zu machen.

Unter Berufung auf Ermittlerkreise meldete die französische Nachrichtenagentur AFP, dass der Angreifer identifiziert worden sei. Er solle den Behörden bereits wegen eines Diebstahls bekannt sein. Das habe ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Datenbank ergeben. Der Mann sei 2013 im Süden Frankreichs verurteilt worden. Laut den Ermittlern hatte er sich damals als ein 1995 in Marokko geborener Obdachloser bezeichnet.

Außerdem soll der Mann dem Chef der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, die Treue geschworen haben. Dies gehe aus dem bei dem Toten gefundenen Bekennerschreiben mit einer IS-Fahne hervor. Darin habe er seine geplante Tat als Rache für "die Angriffe in Syrien" bezeichnet. Frankreich fliegt in Syrien im Rahmen der US-geführten Militärkoalition Luftangriffe gegen die IS-Miliz. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Terrorermittlungen ein.

Fast zeitgleich zu dem Angriff hatte Präsident François Hollande bei einer Gedenkveranstaltung auf die anhaltende Terrorgefahr in Frankreich hingewiesen. Der Angriff ereignete sich am ersten Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo, bei dem zwölf Menschen getötet worden waren. Bei Attacken auf eine Polizistin und auf einen jüdischen Supermarkt an den beiden folgenden Tagen kamen fünf weitere Menschen um. Die insgesamt drei Angreifer wurden getötet.

Seither ist Frankreich in Alarmbereitschaft. Dennoch gab es im November weitere Terroranschläge in einem Kulturhaus, an einem Fußballstadion und mehreren Straßencafés. 130 Menschen starben.