Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe getestet. Der Versuch sei erfolgreich verlaufen, meldeten nordkoreanische Staatsmedien. Es habe sich um eine strategische Entscheidung unter Leitung von Staatsführer Kim Jong Un gehandelt, sagte eine Sprecherin im staatlichen Fernsehen.

Nordkoreas Machthaber hatte den Test vor drei Wochen persönlich angeordnet. Im nordkoreanischen Staatsfernsehen wurde sein auf den 15. Dezember datierter Befehl gezeigt. "Lasst uns das Jahr 2016 mit dem aufregenden Geräusch unserer ersten Wasserstoffbombenexplosion beginnen, damit die ganze Welt aufschauen wird zu unserer sozialistischen, atomar bewaffneten Republik und der großartigen Arbeiterpartei Koreas", heißt es in einer handschriftlichen Botschaft neben seiner Unterschrift.

Kim hatte bereits im Dezember erstmals angedeutet, dass sein Land eine solche Waffe besitzt. Er sagte laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA, Nordkorea sei "ein mächtiger Atomstaat, der bereit ist, eine selbstständige Atombombe und eine Wasserstoffbombe zu zünden, um seine Souveränität zu verteidigen". Die Äußerung war der erste explizite Hinweis auf eine Wasserstoffbombe, seine Aussagen wurden aber von internationalen Experten mit Skepsis aufgenommen.  

Eine Wasserstoffbombe hat eine deutlich höhere Sprengkraft als eine Atombombe und ist deutlich schwieriger herzustellen. Der südkoreanische Geheimdienst geht davon aus, dass der verfeindete Nachbar eine Atombombe zündete, darauf deute die relative Schwäche des gemessenen Erdbebens hin. Die gemessene Stärke des Bebens von 4,8 und die davon abgeleitete Sprengkraft entsprächen nur einem Bruchteil des Ausmaßes eines erfolgreichen Tests einer Wasserstoffbombe, sagte der Abgeordnete Lee Cheol Woo. Womöglich handelte es sich bei dem in Nordkorea getesteten Sprengsatz um eine fusionsverstärkte Atombombe.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) berief unmittelbar nach Bekanntwerden des Tests eine Dringlichkeitssitzung ein. An diesem Mittwoch wollten die Mitglieder des Gremiums zusammentreten, um über das weitere Vorgehen zu beraten, sagte eine Sprecherin.

In Südkorea setzte Präsidentin Park Geun Hye ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats an. Nordkoreas Atomtest sei eine Provokation und eine klare Verletzung von UN-Resolutionen, zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap Vizeaußenminister Lim Sungnam. Auch Japan reagierte besorgt. "Das ist eine ernste Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe. Der Atomtest sei absolut nicht hinnehmbar. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo zitierte einen Regierungsbeamten, wonach Japan weitere Sanktionen gegen das Nachbarregime verhängen könnte.  

Bundesregierung bestellt nordkoreanischen Botschafter ein

Die US-Regierung teilte mit, die Angaben über einen Atomtest zu überprüfen. Diese könnten derzeit nicht bestätigt werden. "Wir verurteilen jeden Verstoß gegen die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und fordern Nordkorea auf, sich an internationale Absprachen zu halten", sagte Ned Price, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats. "Wir werden auf jede Provokation Nordkoreas angemessen antworten", fügte er hinzu.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den Test verurteilt und den nordkoreanischen Botschafter ins Auswärtige Amt einbestellt. "Das nordkoreanische Atomprogramm und die wiederholten Atomtests sind ernste Bedrohungen für Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und ein Angriff auf das weltweite Regime der Nichtverbreitung", erklärte Steinmeier. Die Bundesregierung forderte Nordkorea auf, sich entsprechend der UN-Resolutionen zu verhalten und zum Verhandlungstisch zurückzukehren.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bezeichnete den mutmaßlichen Test als klaren Bruch von Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Der Versuch untergrabe die regionale und internationale Sicherheit, erklärte Stoltenberg in Brüssel. Er verurteilte die "Hetz- und Drohrhetorik" des international isolierten Landes. Nordkorea müsse seine Nuklearwaffen sowie Raketenprogramme aufgeben.

Kurz vor der Mitteilung des nordkoreanischen Regimes über den Wasserstoffbombentest war in der Nähe eines nordkoreanischen Atomtestgeländes ein starker Erdstoß registriert worden, was einen Atomtest des isolierten Landes nahelegte. Die Stärke des Erdstoßes wurde in verschiedenen Messungen zwischen 4,8 und 5,1 auf der Richterskala angegeben. Das chinesische Erdbebenzentrum erklärte, der Erdstoß in Nordkorea sei vermutlich durch "eine Explosion" ausgelöst worden.

Die Erschütterung ereignete sich laut USGS rund 20 Kilometer nordöstlich der nordkoreanischen Stadt Sungjibaegam. In dieser Gegend hatte Nordkorea im Februar 2013 seinen dritten und bisher letzten Nukleartest ausgeführt. Daraufhin beschloss der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen neue Sanktionen gegen das Land. Nordkorea hatte auch in den Jahren 2006 und 2009 Atomwaffentests unternommen und damit jedes Mal internationale Empörung ausgelöst.

UPDATE: "Von einer Wasserstoffbombe zu sprechen, ist Propaganda", sagt Physiker und Rüstungsforscher Götz Neuneck im Interview mit ZEIT ONLINE. Für eine Bombe von solcher Sprengkraft fehle Nordkorea das Know-how. Alle Artikel zu Nordkoreas Atomtests hier.